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Barfusslaufen – Was wirklich dahinter steckt (Teil 1)

Füsse Schuhe barfuss

Es handelt sich um einen Beitrag ohne Kennzeichnungspflicht. Mehr dazu hier.

Vor ein paar Jahren war “Barfusslaufen” der ganz grosse Trend. Da drückte sich jeder Zeh einzeln in seine Hülle und zeigte sich anschliessend stolz in seinem neune Gewand, welches stark an einen kleinen Hobbit erinnerte. Manche Schuhe waren nicht ganz so ausgefallen – aber immer noch weit entfernt von alltagstauglich.

Ich weiss noch, wie ich meine ersten Barfussschuhe bestellte und mir dabei spontan als erstes “Entenfüsse” in den Sinn kam. Während ich durchaus manchmal die Gesundheit vor die Optik stelle, war dies bei diesem Exemplar definitiv nicht möglich. Immerhin hatte ich nun gesunde Hausschuhe.

In letzter Zeit ist es wieder ein bisschen ruhiger um Barfussschuhe geworden. Dies ist besonders schade, da diese Thematik kein bisschen an Aktualität eingebüsst hat. Ich möchte Dir daher heute erzählen, warum es unglaublich wichtig ist, öfters barfuss zu gehen und warum es keine gute Idee ist, mit diesen Schuhen gleich mal eine Runde Laufen zu gehen. Im zweiten Teil dieser Serie zeige ich Dir, dass es mittlerweile möglich ist, auch mit Barfussschuhen schick auszusehen.

Warum schaden Dir normale Schuhe?

Normale Schuhe haben drei Hauptprobleme:

  • Sie weisen alle einen mehr oder weniger hohen Absatz auf (ja, auch “flache” Turnschuhe).
  • Sie sind viel zu eng und lassen den Zehen keinen Platz.
  • Sie sorgen manchmal dafür, dass sich die Zehen verkrampfen müssen, um den Schuh an Ort und Stelle zu halten (z.B. Flipflops).
  • Sie haben oftmals eine steife Sohle und verhindern, dass der Fuss sich richtig bewegen kann.

Früher hatte ich immer Absatzschuhe an. Das ging so weit, dass es im Büro auffiel, wenn ich einmal flache Schuhe trug – weil ich plötzlich kleiner als gewohnt war. Mittlerweile ist es genau umgekehrt und ich trage seit über einem Jahr zu 90% nur noch Barfusschuhe im Alltag. Für mich war der springende Punkt vor allem, dass sie so unglaublich gemütlich sind. Dass ich die gesundheitlichen Vorteile langsam ebenfalls zu spüren bekomme, ist quasi die Sahnehaube auf einem sowieso schon leckeren Törtchen.

Was ist das Problem an Schuhen mit einem Absatz?

Fast alle normalen Schuhe haben einen Absatz – wenn Du es mir nicht glaubst, dann geh einfach einmal zu Deinem Schuhregal und prüfe ein paar “flache” Turnschuhe oder Slipper. Wenn Du diese Schuhe mit einer erhöhten Ferse trägst, simulierst Du damit Deinem Körper, dass er gerade einen mehr oder weniger steilen Hang nach unten marschiert. Der “Boden” unter Dir ist ja immer geneigt.

Das ist grundsätzlich erst einmal nicht schlecht – unser Körper ist ja zum Glück flexibel und die Gelenke können sich beim Bergablaufen ganz einfach anpassen. Wenn Du dies jedoch rund um die Uhr tust, verschieben sich die Gelenke irgendwann – das führt schlussendlich nicht nur zu Beschwerden in den Füssen, sondern im ganzen Körper. Schliesslich bestehst Du nicht nur aus zufällig aneinander gehängten Einzelstücken, sondern bist eine komplexe Einheit. Dabei verkürzen manche Muskeln, Gelenke werden behindert und die Beweglichkeit wird beeinträchtigt, Becken und Wirbelsäule müssen sich laufend anpassen und Schmerzen oder Fehlhaltungen sind die Folge.

Wieso benötigen die Zehen eigentlich Platz?

Stelle Dich einfach einmal auf ein Blatt Papier und zeichne den Umriss Deines Fusses nach. Vergleiche nun Deine Schuhe damit. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Deine Schuhe vorne spitzer werden (vor allem Abendschuhe) und die Zehen sich darin nicht mehr bewegen können.

Vielleicht klingt das für Dich jetzt erst einmal etwas nach Sci-Fi – aber mit genügend Übung kann jeder lernen, seine Zehen unabhängig voneinander zu koordinieren. Allerdings brauchen sie dazu Platz.

Sind die Schuhe viel zu eng, schwächt das die Fussmuskulatur und damit auch die Gesundheit der Nerven. Zudem können sich die Zehen schmerzhaft verformen (z.B. Hammerzehen).

Sind Flipflops und Clogs nicht besonders minimale Schuhe?

Flipflops sind flach und sehen sehr minimal aus. Allerdings müssen die Zehen in Flipflops, Clogs oder ähnlichen Schlappen Schwerstarbeit leisten. Damit der Schuh am Fuss bleibt, krümmen sich die Zehen andauernd zusammen. Dies führt wiederum zu einer Verkürzung der Zehenmuskeln, dem Verlust von Beweglichkeit und Balance sowie Schmerzen im gesamten Bewegungsapparat.

Wieso sollte die Sohle eines Schuhs beweglich sein?

Unsere Füsse bestehen aus unglaublich vielen kleinen Muskeln, mit denen sie sich laufend dem Untergrund anpassen. Wenn Du Deinen Fuss auf eine harte und unbiegsame Sohle stellst, kann er sich nicht mehr so bewegen, wie er gerne möchte und die Muskeln verkümmern über die Jahre.

War Dir das jetzt alles zu oberflächlich und möchtest Du gerne mehr in die Tiefe abtauchen? Ich habe vor einiger Zeit das Buch Barfuss gehen von Katy Bowman rezensiert, in welchem die ganzen Zusammenhänge im Detail beschrieben werden.

barfuss Füsse

Was sind Barfussschuhe (oder Minimalschuhe) und warum brauchen wir überhaupt Schuhe?

Eigentlich ist der Begriff “Minimalschuhe” korrekter als “Barfussschuhe”. Es geht nämlich darum, einfach nur so viel Schuh am Fuss zu haben, wie unbedingt notwendig. Aber da fast jeder von Barfussschuhen spricht, schliesse ich mich an – auch wenn “Barfuss” und “Schuhe” sich eigentlich widerspricht.

Sicherlich fragst Du Dich nun, warum überhaupt Schuhe? Dafür gibt es einige Gründe:

  • Du schätzt ein bisschen Gesellschaftskonformität und möchtest nicht überall angestarrt werden.
  • Du bist in der Stadt unterwegs und willst Deine Füsse vor Scherben, Abfällen und Hinterlassenschaften von Hunden (oder Menschen – irks) schützen.
  • Du bist in der Natur unterwegs und Deine Füsse sind noch babyweich und empfindlich – daher möchtest Du diese vor Dornen oder allzu spitzen Steinen schützen.
  • Es ist Winter und eiskalt. Oder Sommer und der Asphalt ist glühend heiss.

Wenn Du Dir nun ein Paar Minimalschuhe zulegst, musst Du die folgenden 4 Punkte beachten – es ist nämlich nicht alles minimal, wo “minimal” drauf steht:

  • Haben die Schuhe keinen Absatz? Sind sie also flach?
  • Ist die Sohle beweglich? Könntest Du die Sohle einrollen?
  • Haben Deine Zehen so viel Platz, dass sie sich ungehindert spreizen können?
  • Ist Dein Fuss fest im Schuh (z.B. durch Riemchen) oder müssen Deine Zehen einen Aufwand betreiben, um den Schuh festzuhalten?

Nur weil die Schuhe “Barfussschuhe” heissen, musst Du sie übrigens nicht “barfuss” anziehen. Du hast damit zwar einen noch direkteren Kontakt zur Natur – normale Socken, welche die Füsse nicht einengen, sind jedoch ebenfalls völlig in Ordnung.

Wie gewöhnst Du Dich ans Barfussgehen?

Du hast die perfekten Minimalschuhe gefunden, wirfst die normalen Schuhe weg und läufst ab jetzt nur noch in diesen oder barfuss herum? Nicht so schnell!

Du hast Dich und Deinen Körper Jahre oder gar Jahrzehnte an eine bestimmte (Fehl)Haltung gewöhnt. Dies von heute auf morgen ändern zu wollen, wird nicht funktionieren. Mich erstaunt es zudem immer sehr, wenn man direkt beginnt, in diesen neuen Schuhen zu rennen. Gerade beim Laufen wirkt ein Vielfaches Deines Körpergewichts auf Deine Füsse. Verwendest Du nun nur noch Barfussschuhe, wird Dein Körper gezwungen, plötzlich eine ganz andere Haltung einzunehmen. Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke sind sich diese jedoch noch nicht gewohnt und reagieren empört mit Schmerzen.

Wie Du mit den Barfussschuhen startest, kommt ganz darauf an, wo Du Dich jetzt gerade befindest. Trägst Du normalerweise sehr hohe Absätze, kann es eine gute Idee sein, diese einfach einmal ein wenig zu reduzieren. Wenn Du schon ab und zu flachere Schuhe trägst, kannst Du ohne weiteres Deine neuen Minimal-Schuhe an einem normalen Arbeitstag testen. Oder für einen längeren Spaziergang.

Stelle sicher, dass Du Deinen Körper auf jeden Fall an diese neuen Schuhe gewöhnt hast, bevor Du beginnst, diese auch unter grösseren Belastungen (Wanderungen mit Gepäck, Laufen, Springen o.ä.) zu tragen. Ich verwende nun etwa ein Jahr durchgehend Minimalschuhe, trage jedoch beim Sport immer noch meine normalen Turnschuhe. Hier gilt die Devise: Lieber langsam, vorsichtig und verletzungsfrei als zu schnell zu viel zu wollen.

Eine weitere sehr gute Idee ist, so viel wie möglich barfuss unterwegs zu sein. Ich trage zum Beispiel zu Hause nur in der Küche Hausschuhe, da dort der Boden immer sehr kalt ist. Ansonsten lasse ich meinen Füssen die Freiheit, die sie so sehr lieben. Auch draussen ist es immer wieder interessant, ein kleines Stück barfuss zurückzulegen. Wie fühlt sich Grass an? Holz? Kieselsteine? Ein Bergbach?

Wichtig ist zudem, dass Du parallel Deine Füsse stärkst und an ihrer Beweglichkeit arbeitest. Wie das genau geht, werde ich Dir im dritten Teil verraten.

Mach Dir zudem keinen allzu hohen Druck. Wenn Du an 5 von 7 Tagen mit “gesunden” Schuhen herumläufst aber an einem wichtigen Event trotzdem Absatzschuhe tragen möchtest, ist das immer noch besser als zuvor. Wichtig ist, dass Du einen Weg findest, welcher für Dich machbar ist.

Wie sind Deine Erfahrungen mit Barfussschuhen?

 

 


 

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Fotos von mir selbst.

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