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Belletristik: Leben zu verkaufen

Dieser Beitrag enthält eine Rezension (Rezensionsexemplar erhalten) und Links Mehr dazu hier.

In den letzten Jahren habe ich gelernt, japanische Belletristik zu lieben. Viele dieser Bücher wirken auf mich ein wenig surreal, ungewöhnlich und dadurch gleichzeitig auch sehr anziehend. Bei Leben zu verkaufen von Yukio Mishima ging es mir ganz genau so und ich bin nach wie vor äusserst fasziniert.

Der Inhalt (gemäss Klappentext)

Leben zu verkaufen. Verfügen Sie frei über mich. Ich bin männlich, 27 Jahre alt und kann Geheimnisse wahren.

Als Hanio diese ungewöhnliche Anzeige schaltet, ahnt er nicht, was er damit lostritt. Bald findet er sich auf einem wilden Ritt durch eine Welt voller blutrünstiger Gangster, vergifteter Karotten, verzweifelter Junkies und verliebter Vampirfrauen wieder. Während sich um Hanio herum die Leichen sammeln, bleibt er wie durch ein Wunder am Leben und fragt sich, wie diese Höllenmaschine gestoppt werden kann. Nur: Ist es nicht viel zu späte für einen Sinneswandel?

Meine Meinung

Ich muss gleich zu Beginn zugeben – der Klappentext passt meiner Meinung nach nicht ganz zum Buch. Er gibt den Inhalt zwar treffend wieder, fängt aber die seltsame und wunderbare Atmosphäre nicht so ganz ein. Ich hätte mir dabei eine Art absurde Krimi-Komödie vorgestellt – beim Lesen kam es mir aber eher so vor, als würde ich in einen Traum gezogen.

Es war, als sei in diesem Moment sein tägliches Leben, das ewig anzudauern schien, zerrissen, und als sei nun alles möglich. Kein Tag würde wie der andere sein, er würde jeden einzelnen bis zum Ende ausschöpfen, die Tage lagen klar vor ihm, aufgereiht wie tote Frösche, die weissen Bäuche zum Himmel gestreckt.

Aus „Leben zu verkaufen“

Wenn ich schon dabei bin: Auch am Cover habe ich lange herumstudiert. Ich kann es nach wie vor nicht ganz mit dem Inhalt in Verbindung bringen – aber in diesem Fall kann ich mir gut vorstellen, dass dies sogar gewollt war und den Leser zum Nachdenken bringen sollte.

Aber lass uns die oberflächlichen Details beiseite schieben und einen genaueren Blick auf die inneren Werte werfen.

Die Frau betrat ängstlich die Wohnung und schaute sich überall um. Gibt es etwas Schöneres, als ein Leben zu kaufen?, dachte Hanio. Warum aber machten dann alle seine Klienten einen so traurigen Eindruck?

Aus „Leben zu verkaufen“

Hanio ist des Lebens überdrüssig und kommt daher auf die Idee, sein Leben in einem Inserat anzubieten. Da es ihm immer wieder gelingt, die damit verbundenen Aufträge auszuführen, ohne sein Leben zu verlieren, kann er auch eine Menge an Klienten annehmen. Zu Beginn wirken all diese Geschichten wie unzusammenhängende Einzelschicksale. Je weiter Du in das Buch eindringst, umso mehr verweben sie sich jedoch zu einem grossen Netz, welche Stück für Stück zusammen finden.

Wieder hatte er dieses seltsame Gefühl im Kopf.
Es war, als würden die trostlosen Betonstufen niemals enden. Er stieg emsig die Stufen empor. Doch so sehr er sich bemühte, er erreichte den Bahnsteig nicht. Mit jedem Schritt wurden die Stufen mehr. Oben erklang eine Trillerpfeife, die Bahn fuhr ein, und gleich würde sich eine Menschenmenge über die Treppe ergiessen, doch diese Szenerie und die Treppe, die er hinaufstieg, fanden irgendwie nicht zueinander.

Aus „Leben zu verkaufen“

Ich fand schon die einzelnen Geschichten richtig toll. Manchmal wirken sie beinahe ein bisschen kafkaesk und bringen Dich abwechselnd zum Grübeln, Schmunzeln und Staunen. Dass am Schluss alles zu einem grossen Ganzen wurde, sorgte für ein rundes Leseerlebnis – wenn auch der Schluss nicht ganz so war, wie ich diesen erwartet hätte.

Das Leben und auch die Politik sind erstaunlich simpel und banal. Dafür muss man jedoch einen Gemütszustand erlangen, in dem man jederzeit bereit ist, zu sterben. Wer danach giert, zu leben, für den wird alles kompliziert und rätselhaft.

Aus „Leben zu verkaufen“

Der Schreibstil hat mir ausgezeichnet gefallen. Einerseits ist er unglaublich poetisch – gleichzeitig sind die Metaphern jedoch oft ein bisschen morbide und verstärken somit die düstere Grundstimmung. Der Autor schafft es gleichzeitig, die Spannung hochzuhalten und ich konnte mich kaum von der Lektüre lösen.

Fazit

Der Himmel war von einem schmutzigen Blau, es war, als würde ein Schleier aus gelbem Dunst darüber hängen. Auf der Mauer lief eine Katze entlang. Sie sprang auf einen der schwarzen Kirschbaumäste, wiegte ihren Körper wie eine Qualle hin und her, sprang auf den nächsten Ast und stieg langsam hinunter.

Aus „Leben zu verkaufen“

Wenn Du ungewöhnliche und surreale Geschichten magst, kann ich Dir dieses Buch wärmstens empfehlen. Du wirst Dich dabei in einer ungewöhnlichen Welt mit noch ungewöhnlicheren Charaktern wiederfinden – und Dich vielleicht dabei fragen, ob die Geschichte wirklich so weit weg von der Realität ist, wie sie zunächst wirkt.

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Vielen Dank an den Verlag Kein & Aber für das Rezensionsexemplar. Fotos von mir selbst.

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2 comments

  1. […] Woche habe ich „Leben zu verkaufen“ rezensiert. Spannend fand ich auch die Meinung von Tina von Kimonobooks zu diesem […]

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