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Belletristik: PUSH – Ein Leben für die Bigwalls

Dieser Beitrag enthält eine Rezension (selbst gekauft) und Links Mehr dazu hier.

Manche Bücher schaffen es spielend, den Hauch eines aufregenden Abenteuers in die heimelige Wohnung zu bringen. Sie sorgen dafür, dass das Leben plötzlich spannender wirkt, die Farben intensiver und man sofort aufbrechen möchte.

Diese Stimmung vermittelt auch PUSH – Ein Leben für die Bigwalls von Tommy Caldwell.

Der Inhalt (gemäss Klappentext)

Tommy Caldwell ist der Star unter den Kletterern und einer der besten Allrounder der Szene. Mit der Durchsteigung der „Dawn Wall“ gelang ihm 2015 zusammen mit Kevin Jorgeson eine Sensation. Mitreissend berichtet der sympathische Ausnahmeathlet in diesem Buch von der Faszination des Freikletterns. Er schildert die traumatische Geiselnahme, in die er im Jahr 2000 in Kirgisistan verwickelt wurde, und offenbart Persönliches: wie sein Vater ihn mit Fanatismus an den Extremsport heranführte, wie er den Verlust seines linken Zeigefingers verkraftete und wie die Geburt seines ersten Kindes sein Verständnis von Verantwortung und Risikobereitschaft verändert hat.

Meine Meinung

Manchmal lese ich den Klappentext eines Buches und kann nur den Kopf schütteln. Da hat man das Gefühl, dass der Verfasser nur die ersten Seiten überflogen hat oder die Message gar nicht verstanden hat. Bei „PUSH“ war es genau umgekehrt – der Klappentext fasst den Inhalt so brillant zusammen, dass ich Dir dazu kaum mehr etwas neues sagen kann.

Statt dessen möchte ich mich erst einmal dem Schreibstil widmen. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass jemand, der so gut klettert, gleichzeitig auch tolle Bücher schreiben kann. Tommy Caldwell vereint diese beiden Talente jedoch meisterhaft. Dabei konzentriert er sich jedoch nicht nur auf einen bestimmten Stil, sondern mischt zahlreiche verschiedene Varianten bunt durcheinander.

Die meisten von uns schlagen sich doch einfach durch und versuchen, in Einklang mit den Menschen, Orten und Dingen zu leben, die sie lieben. Jeder schafft sich sein eigenes Bedeutungsgeflecht, und wenn jemand das grosse Glück hat, mit einer echten Passion geboren zu sein, ist das ein wahres Gottesgeschenk.

Aus „PUSH – Ein Leben für die Bigwalls“

So wirken manche Abschnitte sehr analytisch, fast schon ein bisschen berechnend. In anderen Kapiteln geht es eher philosophisch hin und her und bei den Landschaftsbeschreibungen holt er seine poetische Seite hervor und sorgt mit bezaubernden Metaphern dafür, dass man sich die Umgebung bildlich vorstellen kann.

Andere Situationen, wie z.B. die Bezwingung von sehr schwierigen Wänden, sein Verlust des Fingers oder die Entführung in Kirgistan, sind so packend beschrieben, dass ich das Buch kaum noch weglegen konnte.

Gerade weil sich in „PUSH“ nicht alles nur ums Klettern dreht sondern ein grosser Teil auch seinen Beziehungen und seiner persönlichen Entwicklung gewidmet ist, ist das Buch auf jeden Fall auch für Nichtkletterer eine Empfehlung. Typische Kletterbegriffe werden meistens erst einmal kurz erklärt und Tommy spart auch nicht mit lustigen Anekdoten, die mich immer wieder einmal zum Schmunzeln brachten.

Wir wanderten durch einen Korridor aus blau schimmerndem Gletschereis, an dessen Seiten Eistürme in den Himmel ragten wie in einer Fantasy-Landschaft. Auf den Gipfeln der Cerro-Torre-Gruppe bilden sich pilzförmige Vereisungen aus kondensierter Feuchtigkeit, die man Raueis nennt – eine Mischung aus Schnee und Eis mit der Konsistenz gefrorener Zuckerwatte.

Aus „PUSH – Ein Leben für die Bigwalls“

Gerade wenn man im Licht der Öffentlichkeit steht, finde ich es bewundernswert, sich in einem Buch so verletzlich zu zeigen und Fehler resp. Schwächen offen zu legen. Diese Details haben Tommy Caldwell für mich jedoch sehr sympathisch wirken lassen – man hat das Gefühl, ihm sehr nahe zu kommen.

Schön fand ich zudem, dass das Buch chronologisch aufgebaut war. Indem Du ihn von seiner Kindheit bis hin zu seinen eigenen Kindern begleitest, wirken selbst sonst eher sinnlose Handlungen plötzlich nachvollziehbar.

Fazit

Wenn Du Bücher übers Klettern oder über Abenteuer generell magst, wirst Du von diesem Buch begeistert sein. Mit über 400 Seiten bietet es zudem mehr als genug Lesespass für eine ganze Weile – perfekt, wenn Du die regnerischen Sonntage sinnvoll nutzen möchtest.

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Fotos von mir selbst.

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