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Buchbesprechung: 100% Triathlon

Dieser Beitrag enthält eine Rezension (Rezensionsexemplar erhalten) und Links Mehr dazu hier.

Manchmal lese ich ein Buch und bin überzeugt, dass es zu einem neuen Favoriten wird. Atemlos gehe ich die einzelnen Abschnitte durch, nicke, markiere und mache mir Randnotizen. Ungewöhnlich wird es wenn ich plötzlich stutze, die Stirn runzle und das Buch anschliessend am Liebsten in eine Ecke pfeffern würde. Oder in viele kleine Stücke zerhacken.

Wenn ich ein bisschen später gelangweilt die Seiten büschelweise überblättere, denkt man sich schon, dass das kein gutes Feedback geben wird. Bis ich wieder irritiert anhalte, etwas nochmals lese – und anschliessend gebannt das Buch kaum aus der Hand geben kann.

Gleichzeitig brühend heiss und klirrend kalt, übervoll und nach Nahrung gierend, riesengross und winzig klein – 100% Triathlon von Roy Hinnen hat es geschafft, das ganze Spektrum an Emotionen abzudecken.

Der Inhalt

Warum könnte dieses Buch ein klarer Sieger werden?

Erst einmal ist 100% Triathlon zu 100% clever aufgebaut. Für jeden Prozentpunkt beantwortet der Autor auf wenigen Seiten eine Frage, welche ihm im Verlauf seiner Coachin Laufbahn schon einmal gestellt wurde. Diese 100 Fragen hat er nach Themen sortiert (z.B. Schwimmen, Radfahren, Laufen, Höhentraining, Doping, Rückschläge & Niederlagen, Wettkampf oder TriLife). Besonders gut hat mir dabei gefallen, dass er bei sehr vielen Kapiteln QR Codes eingefügt hat, mit welchen man weitere Informationen zu den Themen erhält (z.B. Videos oder Online Tests).

Wir waren in den 80er- und 90ern auch sehr schnell, und ich konnte etwa 300 Watt auf den 180 Kilometern fahren und danach noch zügig laufen – ohne dass wir von FatMax und einem niedrigen VLamax-Wert wussten. Wichtig ist, dass du dich vor jedem Training fragst: Welchen Stoffwechsel möchte ich heute gerne verbessern?

Aus „100% Triathlon“

Bei der Beantwortung der Fragen spricht der Autor zu Dir wie zu einem guten Freund. Dabei wirkt er manchmal etwas schnodderig, gleichzeitig aber auch sehr nahe – eben wie ein Coach, welcher sich mit Dir unterhält. Er schafft es somit, auch komplexere Zusammenhänge klar darzulegen.

Sowohl vom Aufbau des Buches als auch vom Design ist es also ein klarer Sieger.

Warum solltest Du dieses Buch auf keinen Fall lesen?

Während der Autor im Bereich Triathlon wirklich ein Experte ist, hätte er meiner Meinung nach nicht auch noch Beziehungs-/Sextipps oder Frauenthemen in das Buch einfliessen lassen sollen. Die Beantwortung dieser Fragen ist grösstenteils wirklich – sorry – purer Schrott. So hatte eine Frau z.B. aufgrund ihres hohen Trainingsumfangs keine Periode mehr – bei aktivem Kinderwunsch. Sein Tipp ist: Sie solle lernen, ihren Körper zu lieben, mehr essen (dabei weiss er da gar nicht, was sie isst) und nicht so viel in ihrem Kopfkino leben. Als Precision Nutrition Ernährungscoach stehen mir bei so einer Aussage sämtliche Haare zu Berge. Genauso wie bei der Aussage, dass Athletinnen doch bitte alle auf die Pille verzichten sollen. Auch gegen alleinerziehende Mütter hat er etwas vorzubringen: Deren Kinder hätten keine väterliche Kraft für ihr Leben.

Noch besser wird es, als eine Frau relativ viele Ziele aufzählt (unter anderem ein Kinderwunsch und die Qualifikation für Hawaii) sich aber erst kürzlich von ihrem Ex trainiert hat. Da geht er hauptsächlich darauf ein, was sie tun sollte, falls sie sich wegen schlechtem Sex von diesem getrennt hätte. Sie solle nun einfach so viel Sex wie möglich mit vielen Männern haben – Pornos seien kein Ersatz. Mal abgesehen von den zahlreichen inhaltlichen Fehlern in dieser Antwort hat die Frau ihn nicht gebeten, ihr Tipps zu ihrem Sexleben zu geben. Wir befinden uns schliesslich immer noch in einem Buch über Triathlon.

Ich könnte jetzt noch seitenweise seltsame Äusserungen aufzählen, was ich hier aber lasse – sonst könntest Du dich ja langweilen. Und das soll hier auf dem Blog wirklich nicht passieren.

In der Schweiz lassen sich im Schnitt täglich 10 Frauen Sperma von einer Samenbank zusenden, damit sie schwanger werden. Was sagen sie ihrem Kind, wenn es irgendwann nach dem Vater fragt? Und woher soll es die väterliche Kraft für sein Leben nehmen? Wie egoistisch sind solche Frauen?

Aus „100% Triathlon“

Warum wird Dich dieses Buch langweilen?

Gelangweilt habe ich mich jedoch bei der Lektüre von 100% Triathlon immer wieder mal. Manche Fragen sind extrem technisch und waren für mich, als Nicht-Triathlet, daher einfach nicht interessant. Andere sind unglaublich spezifisch (Warum machst du Videos über Lionel Sanders und beispielweise nicht über Jan Frodeno?) und werden daher wahrscheinlich auch nur eine kleine Community ansprechen.

Am Ende des Buches führt der Autor einige Triathlon-Koans auf, welche Dich zum Nachdenken anregen sollen. Allerdings würde ich nicht behaupten, dass es sich dabei wirklich um Koans handelt – statt dessen zählt er einfach zahlreiche (hauptsächlich negative) Eigenschaften auf, die Athleten haben können. Das kann man langweilig finden oder nervend – nützlich ist es jedoch nicht.

Warum ist 100% Triathlon packender als ein Krimi?

Du hast sicherlich schon festgestellt, dass ich auf dieser Webseite kaum je ein Buch „zerreisse“. Ich bin der Meinung, dass manche Bücher für mich zwar nicht geeignet sind, jemand anderes sie aber durchaus toll finden könnte. In diesem Fall verzichte ich einfach auf eine Rezension. Warum hier nicht?

Auch inhaltlich hat das Buch einige sehr gute Seiten, ja sogar richtige Goldstücke, zu bieten. Wenn der Autor über sein Spezialgebiet, Triathlon, spricht, merkt man sofort, dass er sich wirklich gut auskennt. Durch die vielen unterschiedlichen Fragen erfährst du wirklich fast alles, was Du zu Ernährung, Training und Regeneration wissen musst. Auch als Nicht-Triathlet habe ich mir zahlreiche Inputs notiert, welche ich in den nächsten Wochen umsetzen werde.

In der Anwendung mit der Höhe gilt dann das Prinzip: Mehr ist nicht unbedingt besser. Mit „Sleep high, train low“ greifst du in deinen Schlaf ein. Dann, wenn dein Körper normalerweise maximal regeneriert, bringst du ihn nun in leichten Stress. Das erfordert Fingerspitzengefühl.

Aus „100% Triathlon“

Uneingeschränkt würde ich das Buch nicht empfehlen – aber wer sich auf den Triathlon Part konzentriert, erhält mit 100 % Triathlon einen wahren Schatz an Inputs. Durch die kurzen Kapitel eignet sich das Buch zudem auch sehr gut, um einfach einmal zwischendurch etwas zu stöbern und sich inspirieren zu lassen.

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Vielen Dank an den Sportwelt Verlag für das Rezensionsexemplar. Fotos von mir selbst.

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