BücherOutdoor

Buchbesprechung: Abenteuer Unlimited

Dieser Beitrag enthält eine Rezension (Rezensionsexemplar erhalten) und Links. Mehr dazu hier.

Zur Zeit ist es eher schwierig, zu neuen Abenteuern aufzubrechen. Meiner Meinung nach ist daher die zweitbeste Wahl, darüber zu lesen. Auch wenn ich die Erlebnisse, welche Helmut Linzbichler in Abenteuer Unlimited – Mein Leben im Grenzbereich schildert, lieber nicht selbst erleben möchte.

Der Inhalt

Schon der Einstieg in dieses Buch könnte spannender kaum sein: Der Autor fiel in eine Gletscherspalte und hängt nun über dem bodenlosen Nichts. Während er auf Rettung wartet, lässt er sich sein Leben durch den Kopf gehen. Alleine die Tatsache, dass er anschliessend dieses Buch verfassen konnte, liess mich aufatmen – die Rettung müsste daher eigentlich gelungen sein.

Bei Menschen, welche solche extremen Erlebnisse suchen, finde ich es immer sehr spannend, zu erfahren, wie sie überhaupt auf diesen „Lebensweg“ kamen. Auch Helmut Linzbichler schildert anschaulich, wie seine Jugend dazu führte, dass sein Drang nach Freiheit und Abenteuer kaum noch zu bändigen war.

Glücklich im Ziel angelangt, dachte ich plötzlich, „schlappe 15 Kilometer mehr, dann hättest du einen Marathon!“ Ich wurde nervös. „Das müsste doch auch zu schaffen sein!“ Wie aus dem Nichts übermannte mich eine Art Marathon-Fieber.

Aus „Abenteuer Unlimited“

Dabei lässt sich das Buch grob in drei grosse Bereiche einteilen. Erst einmal verliebt er sich in die Berge – Klettern und vor allem auch Bergbesteigungen werden zu seiner grossen Leidenschaft.

Im zweiten Teil des Buches lässt er die Berge links liegen und läuft statt dessen. Er hält sich aber dabei nicht bei ganz „normalen“ Marathons auf sondern strebt wahnsinnig lange Ultramarathons und lebensfeindliche Umgebungen (sind Dir schon einmal die Schuhe vor Hitze geschmolzen? Oder wie wäre es mit einem Marathon mit Eisbären?) an.

Schlussendlich widmet er sich dem Ziel „Seven Summits“ – der Besteigung des höchsten Bergs auf jedem Kontinent – inklusive des Mount Everests.

Noch vor dem offiziellen Start des Badwater Ultramarathons wurden wir gefragt, aus welcher Motivation heraus wir dort eigentlich laufen wollten. Ich hörte die Antworten meiner Mitstreiter und staunte nicht schlecht. „Weil sich die meisten vor diesem Rennen fürchteten“, „weil ich wissen will, ob der Tanz durchs Tal ein Freuden- oder Totentanz wird“ oder: „weil ich in der Wüste die Tiefe meiner Seele erforschen will“. Meine Begründung war weniger poetisch. „Weil ich nach der grenzenlosen Erfahrung meiner eigenen Grenzen süchtig bin“, warf ich dem verblüfften Journalisten vor die Füsse und wartete schmunzelnd auf den Startschuss.

Aus „Abenteuer Unlimited“

Die Liste der erfolgreichen Besteigungen sowie der abgeschlossenen Läufe ist unglaublich lange. Daher erstaunt es nicht, dass sich in diesem Buch ein Highlight an das nächste reiht – während andere ein ganzes Buch über den Mount Everest schreiben, ist dies bei Helmut Linzbichler nur eine kleine Station von vielen.

Daher mangelt es natürlich auch nicht an Spannung oder an beeindruckenden Geschichten – ich war von Kapitel zu Kapitel immer beeindruckter. Gleichzeitig hätte ich mir manchmal gewünscht, dass die Erlebnisse etwas mehr im Detail geschildert werden – gerade beim Bergsport hätte ich sehr gerne mehr Informationen zu den einzelnen Besteigungen gehabt. Umgekehrt interessierten mich politische Probleme in seinem Lehreramt nicht so wirklich. Andererseits bleibt das Buch auch so für diejenigen Leser interessant, welche selbst eher wenig mit Bergsport oder Extremläufen am Hut haben.

Besonders gut gefiel mir die Aufmachung des Buches: Die ganzseitigen Fotos sorgen dafür, dass man sich die Erlebnisse sehr gut vorstellen kann. Aber auch der restliche Text wird immer wieder einmal von kleineren Impressionen unterbrochen.

Man stelle sich vor, man läuft über 200 Kilometer in der Sauna und lässt sich dazu einen heissen Fön auf höchster Stufe ins Gesicht blasen. Nur so kann man einigermassen nachvollziehen, wie sich ein Lauf im Badwater Valley anfühlt.

Aus „Abenteuer Unlimited“

Ein bisschen überschattet wurde die Lektüre von den zahlreichen Todesfällen, resp. Bergsportunfällen, die enge Freunde oder gar die Familie von Helmut Linzbichler betrafen. Natürlich birgt ein Leben am Limit deutlich mehr Risiken – insbesondere wenn die Freunde auch ähnliche Touren unternehmen. Ausserdem sehen wir hier keinen Einblick in 5 Jahre, sondern in über 50 Jahre Extremsport. Dennoch fiel mir dies auf und hat mich nach dem Lesen sehr nachdenklich und etwas traurig zurückgelassen.

Es war gerade 40 Stunden her, dass ich vom Gipfel des Mount Everest mehr tot als lebendig ins Basislager zurückgekehrt war, und in weniger als zwei Stunden wollte ich mit mehr als 140 anderen Läufern, Abenteurern und Verrückten den Tenzing-Hillary Everest Marathon in Angriff nehmen.

Aus „Abenteuer Unlimited“

Alles in allem handelt es sich hier um eine wunderbare Lektüre um zu Staunen und die grosse Welt der Abenteuer und Extremerfahrungen aus dem Wohnzimmer heraus zu betrachten.


An dieser Stelle möchte ich mich herzlich beim Sportwelt Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken.

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Fotos von mir selbst.

Dir hat der Artikel gefallen? Dann teile ihn mit Deinen Freunden:
Tags:

Ich freue mich sehr über Deine Rückmeldung. Bitte beachte dazu die Hinweise zum Datenschutz unter "Impressum und Datenschutz".

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.