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Buchbesprechung: Abenteuerküche für unterwegs

Bei manchen Büchern ist das Cover eher unscheinbar. Es weckt zwar Interesse, haut Dich aber nicht so richtig vom Hocker. Aber warte nur, bis Du das Buch öffnest: Bam – das kann man nur als schockverliebt bezeichnen! Die Rede ist in diesem Beispiel von Abenteuerküche für unterwegs von Caroline Lopez & Anthony Laguerre

Der Inhalt

Schon die Idee für dieses Buch ist richtig genial. Die beiden Franzosen, Caroline und Anthony, haben sich ganz einfach aufs Fahrrad geschwungen und sind 400 Tage lang über 10 000 km durch 24 unterschiedliche Länder geradelt. Wenn Du selbst Fahrrad fährst oder wanderst, ist Dir bewusst, dass man dabei nicht allzu viel mit sich mitschleppen kann. Dementsprechend ist es ziemlich schwierig, immer wieder etwas nahrhaftes, günstiges und trotzdem leckeres zu zaubern – was gleichzeitig nicht allzu schwer oder zu voluminös sein sollte. Ich korrigiere – für mich ist das schwierig. Bei Caroline ist das anders: Sie blüht zur Höchstform auf, sobald sie fern von Zuhause ist und mit wenigen Zutaten kreativ werden muss (oder darf) und ihr Improvisionstalent voll und ganz einsetzen kann.

Dabei ist das Buch jedoch kein reines Kochbuch – es ist vielmehr eine Mischung aus Reisebericht, Inspirationsquelle und gleichzeitig dann doch wieder ein hervorragendes Nachschlagewerk mit vielen Outdoor-geeigneten Rezepten.

Gleich zu Beginn ist mir dabei das wunderschöne Design aufgefallen. Dabei haben sich die beiden Autoren nicht an die klassischen “Kochbuchregeln” gehalten. Manche Rezepte wurden gar nicht fotografiert, bei manchen bekommst Du bezaubernde Einblicke in die Zubereitung geliefert und bei anderen wiederum stimmen Dich die Umgebungsbilder so richtig aufs die nächste Reise ein. Während Caroline ihre Talente voll und ganz beim Kochen entfaltet, zeigt sich Anthonys Stärke beim Fotografieren – die Bilder sind einfach ein Traum.

Bevor es mit den Rezepten losgeht, erfährst Du einige Grundlagen zum Kochen unterwegs. Dabei werden zum Beispiel die Wassergewinnung (welcher Filter macht wann Sinn?), verschiedene Kocher (Gas, Benzin oder Holz?) sowie die Mindestausstattung angesprochen. Ganz kurz werden auch die Themen “Nahrungsmittel selber sammeln” und “Fischen” gestreift – wenn Du daran interessiert bist, empfiehlt sich jedoch ein zusätzliches Buch. Dies macht insofern Sinn, als dass in jeder Region natürlich andere Pflanzen wachsen und die genauen Erkennungsmerkmale der unterschiedlichen essbaren Kräuter den Rahmen des Buches sprengen würden.

Danach geht es endlich los mit den Rezepten. Gleich zu Beginn: Dabei lag der Fokus nicht allzu stark auf gesunden Mahlzeiten gelegt. Bunte Salate o.ä. wirst Du bis auf wenige Ausnahmen nicht finden – so etwas lässt sich aber auch schwer über weite Strecken transportieren. Daher stehen auch keinerlei Nährwertangaben bei den Rezepten – dafür aber die viel wichtigeren Informationen zum benötigten Zubehör und der Zubereitungsdauer.

Mir hat dabei besonders gut gefallen, dass die Rezepte wirklich kreativ sind. Da wird bei den verschiedenen “Challenges” ein echtes Brot oder ein Apfelkuchen gebacken, Eiscreme im Himalaya hergestellt oder ein Fisch in heissen Quellen gegart.

Der Wind spielt mit uns, er umfächelt uns, aber er kann uns nicht mehr aufhalten. Wir nehmen ihn einfach hin und sind dadurch ganz plötzlich frei.
Aber nicht nur da zeigt sich die Kreativität: Oftmals werden selbst gesammelte Zutaten mit einbezogen (Brennesselsuppe, Blüten-Krapfen) und Zutaten zweckentfremdet (z.B. Avocado statt Butter).

Nachdem ich das Buch durchgelesen habe, hatte ich wirklich Lust darauf, die einzelnen Rezepte sofort auszuprobieren – und zwar nicht nur, um satt zu werden, sondern um zu testen, ob ich es auch schaffe, mitten im Nichts Gnocci herzustellen oder weil ich unbedingt einmal Reissalat in kleinen Paprikataschen essen wollte.

Geschmacklich sind die Rezepte gut – insbesondere, wenn man vorher eine lange Fahrt (oder in meinem Fall eine Wanderung) hinter sich hatte :) Ich weiss aber nicht, ob z.B. die über dem Feuer gegrillten Pilze auch in der heimischen Küche geschmacklich begeistern würden – ohne den “Abenteuerbonus”. Aber dazu ist das Rezeptbuch ja auch nicht da.

Ich habe vorhin erwähnt, dass ich das Buch durchgelesen habe. Selbstverständlich habe ich nicht jedes Rezept studiert – aber abgesehen von den Rezepten werden immer wieder kurze Highlights von den Reisen erzählt. Dabei gefiel mir besonders gut, dass sich die Autoren auf die spannenden Geschichten beschränkt haben – den Alltag kennen wir alle ja selbst gut genug. Aber was tut man, wenn man plötzlich von Jägern mit Gewehren aus dem Zelt geholt wird? Oder wie feiert man Weihnachten ganz fern von Zuhause?

Ich kann das Buch jedem abenteuerlustigen Koch empfehlen, der oder die gerne experimentiert und Lust auf neue Geschmackserlebnisse fern von der heimischen Küche hat – oder einfach Reiseberichte und schöne Fotos liebt.

 


An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei der Verlagsgruppe Randomhouse für das Rezensionsexemplar bedanken.

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Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Fotos von mir selbst

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