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Buchbesprechung: Challenge Ironman

Dieser Beitrag enthält eine Rezension (Rezensionsexemplar erhalten) und Links Mehr dazu hier.

3.862 km Schwimmen, 180,246 km Radfahren und anschliessend noch einen Marathon (42.195 km) laufen – wer tut sich so etwas an? Die Leistungen beim Iron Man wirken erst einmal übermenschlich. Und doch gibt es eine ganze Menge Menschen, welche dies schaffen – und sogar noch gerne.

In Challenge Ironman – Auf der Suche nach Sinn von Frank-Martin Belz geht der Autor der Frage nach, was genau an dieser Sportart so faszinierend ist. Gerne möchte ich Dir im Gegenzug heute schildern, was ich an diesem Buch faszinierend fand.

Der Inhalt

Dass es beim Ironman um viel mehr als nur sportliche Leistungen geht, wird Dir wahrscheinlich schon klar, sobald Du die Kapitel dieses Buches studierst. Da dreht es sich um einen globalen Stamm, Selbstwertgefühl, Anerkennung, Selbstoptimierung, den Körper, Natur, Reisen, Freunde, Gruppenzugehörigkeit oder auch ein erfülltes Leben. Jedem dieser Themen widmet der Autor zahlreiche Seiten und erläutert, inwiefern diese Punkte beim Ironman eine Rolle spielen.

Klingt das nun ein bisschen trocken? Manchmal war es die Lektüre tatsächlich auch – ich hatte beim Schreibstil von Zeit zu Zeit das Gefühl, eine wissenschaftliche Abhandlung zu lesen und nicht unbedingt einen packenden Roman. Der Vorteil davon war natürlich, dass man merkt, dass sich der Autor sehr vertieft mit der Thematik befasst hat und wirklich versuchte, die Essenz des Iron Mans zu verstehen – und uns zu übermitteln.

Die Anerkennung sportlicher Leistungen und die Anerkennung als Mensch sind zwei unterschiedliche Dinge. Der Profi-Triathlet und zweimalige Ironman Hawaii Sieger Patrick unterscheidet hier zwischen „sportlicher Anerkennung“ und „sozialer Anerkennung“.

Aus „Challenge Ironman“

Daher fand ich es besonders gelungen, dass Frank-Martin Belz nicht nur selbst zu Wort kommt, sondern einen grossen Teil seines Buches aktiven Sportlern überlässt. Diese Geschichten sind im Gegenzug zu den analytischen Erörterungen sehr packend erzählt und sorgen für die nötige Spannung.

Der ursprünglich verwendete Begriff des „iron man“ bringt diese Ambivalenz zum Ausdruck: Einerseits bezieht er sich auf die stählernen Muskeln, andererseits auf den eisernen Willen, bis an die Grenzen der körperlichen Leistungs- und Leidensfähigkeit zu gehen.

Aus „Challenge Ironman“

Die Athleten werden oft zitiert und abgebildet, wodurch eine grosse Nähe entsteht. Selbstverständlich fand ich es klasse, dass ich einige davon sogar persönlich kannte (Z.B. Din von Eiswürfel im Schuh oder Thorsten vom Ausdauerblog). Somit wurde das Buch direkt viel persönlicher.

Besonders persönlich hätten auch die Ausführungen des Autors zu der Schweiz wirken können. Allerdings hat er es dort geschafft, ziemlich viele Sympathiepunkte abzugeben, da seine Schilderungen einfach nur unwahr sind. So sollen sich wohl die Schweizer den Deutschen unterlegen fühlen, da sie kein gutes Hochdeutsch sprechen. Ausserdem behauptet er, dass die Schweizer Deutschland aufgrund seiner Grösse kritisch beäugen und Angst davor hätten, eingenommen zu werden. Es hat mich erstaunt, dass der Autor nicht zu einer differenzierteren Sicht der Dinge kam, obwohl er 12 Jahre in der Schweiz gelebt hat. Natürlich frage ich mich in diesem Zusammenhang auch, ob dann die anderen Ausführungen tatsächlich so stimmen oder ob ich mich in diesen Bereichen einfach nicht so gut auskenne.

Vielleicht war es einfach nur Pech, dass der Autor wenige Abschnitte später erwähnte, dass Männer gerne miteinander etwas unternehmen und sich praktische Hilfestellung leisten, während Frauen sich lieber austauschen und gegenseitig emotional unterstützen. Allerdings sorgten diese extremen Klischees dafür, dass mein Spass an der Lektüre deutlich gedämpft wurde. Von einem Wissenschafter hätte ich weniger Plattitüden erwartet.

Alles in allem kann ich das Buch jedoch dennoch empfehlen, wenn Du Dich für die Thematik Triathlon, resp. Ironman interessierst und gerne wissen möchtest, was genau dahintersteckt. Die kleinen Ausrutscher kann man ja ohne weiteres überlesen.

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Vielen Dank an den Sportwelten Verlag für das Rezensionsexemplar. Fotos von mir selbst.

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