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Buchbesprechung: Das Abo-Zeitalter

Dieser Beitrag enthält eine Rezension (Rezensionsexemplar erhalten) und Links. Mehr dazu hier.

Bei Büchern ist es ähnlich wie bei einem Date. Manchmal gefällt Dir das Gegenüber einfach nicht, weil es sich wirklich unangebracht verhält. Es ist unhöflich, möchte Dir abstruse Geschichten als die Wahrheit verkaufen oder sorgt dafür, dass Dir das Gesicht einschläft.

Manchmal ist das Gegenüber aber auch sehr nett – aber irgendwie entzündet sich der berühmte Funke einfach nicht.  Gleichzeitig würdest Du es aber sofort einer guten Freundin weiterempfehlen.

Das Abo-Zeitalter von Tien Tzuo und ich haben uns nicht so richtig gefunden. Allerdings lag das mehr an mir als an ihm.

Der Inhalt

Wenn Du Dich ein bisschen mit der Digitalisierung beschäftigst, bist Du bestimmt schon einmal auf das Prinzip der Abonnemente gestossen. Dabei geht es darum, eine Dienstleistung nicht mehr einmalig zu verkaufen (z.B. eine CD-Rom), sondern die Kunden langfristig über eine Abogebühr (z.B. Spotify-Mitgliedschaft) zu binden. Du kannst Dir sicherlich vorstellen, dass diese Methode ganz neue Blickwinkel verlangt: So wird es viel schwieriger, den Umsatz einzuschätzen (regelmässige kleinere Beträge als einmalige grosse Beträge) und auch die Kunden haben ganz andere Ziele (z.B. wollen sie die Dinge nicht mehr besitzen, sondern nur noch benutzen).

In “Das Abo-Zeitalter” geht Tien Tzuo auf all diese Fragestellungen ein und richtet sich dabei in erster Linie an Unternehmen, welche ihr Geschäftsmodell entsprechend anpassen wollen.

Jede Verbrauchermarke sollte heutzutage vor allem ein Ziel verfolgen, nämlich Ihre Kunden zu kennen. Gelingt Ihnen das nicht, werden Sie scheitern, so einfach ist das.

Aus “Das Abo-Zeitalter”

Das Buch ist in zwei grosse Teile gegliedert. Im ersten davon erfährst Du, was sich eigentlich hinter der Subskriptions-Wirtschaft versteckt – und zwar etwas ausführlicher, als ich es Dir am Anfang des Artikels kurz erläutert habe.

Dabei greift der Autor auf zahlreiche Beispiele zurück, um Dir zu zeigen, dass sich dieses Modell nicht nur für einige wenige Branchen eignet. Das fand ich einerseits unglaublich spannend, da das Buch durch diese Geschichten sehr konkret wird. Allerdings hat er es meiner Meinung nach etwas mit der Menge an Beispielen übertrieben. Nachdem er die 25. Firma im Detail beschrieb, hätte ich ihm am liebsten zugerufen: “Ja, ich habe es kapiert, lass uns jetzt bitte endlich konkret werden!”.

Vielleicht werden unsere Kinder gar nicht mehr Begriffe wie “smart” oder “vernetzt” verwenden, um die Objekte in ihrer Umgebung zu beschreiben. Das Internet der Dinge wird das Wasser sein, in dem sie schwimmen.

Aus “Das Abo-Zeitalter”

Konkret wird es anschliessend im zweiten Teil des Buches. In diesem erfährst Du, wie Du dieses Modell auf Dein Unternehmen überträgst und davon profitieren kannst. Natürlich ist es in diesem Fall hilfreich, wenn Du entweder eine eigene Firma besitzt oder über die entsprechende Entscheidungsgewalt verfügst – ansonsten bleibt es bei der Theorie.

Ich fand die Tipps sehr spannend – insbesondere wie die Gewinn- und Verlustrechnung für die Subskriptions-Wirtschaft komplett neu zusammengestellt werden muss. Allerdings wurde ich auch hier mit dem Schreibstil nicht so ganz warm. Die Leser werden zwar gesiezt und mit komplexen (aber sehr spannenden) Inhalten versorgt, was eine gewisse Distanz schafft. Gleichzeitig verwendet der Autor immer wieder Slang-Ausdrücke, welche mich komplett aus dem Lesefluss rissen:

Was passiert, wenn Sie es nicht vermasseln? Oh Mann, dann geht es ab! Die Kundengewinnung wird deutlich einfacher und es wandern weniger Kunden ab.

Aus “Das Abo-Zeitalter”

Auch hätte ich erwartet, dass der Autor sich gerade in der digitalen Welt richtig gut auskennt und quasi ein Experte ist. Trotzdem sind mir öfters kleine Ungereimtheiten aufgefallen. So schreibt der Autor zum Beispiel, dass sich heutzutage niemand mehr auf ein Blind Date einlässt, sondern jeder den anderen erst einmal auf Tinder oder Facebook checkt. Dieser Vergleich hinkt allerdings ein klein wenig, da man auf Tinder Personen nicht suchen kann (sie werden einem zufällig angezeigt) und mich daher auch aus dem Lesefluss gerissen hat.

Möglicherweise hat das Buch in mir auch einfach keine Schmetterlinge ausgelöst, da ich mich mit dieser Thematik berufsbedingt bereits sehr gut auskenne und daher nicht mehr allzu viel neues erfahren habe. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es jemandem mit anderen Vorkenntnissen ganz anders geht und sich dieser in “Das Abo-Zeitalter” verliebt. Die Informationen sind nämlich sehr umfangreich und in dieser gebündelten Form meines Wissens nach einzigartig.

Interessieren Dich neue Geschäftsmodelle?


An dieser Stelle möchte ich mich herzlich beim PLASSEN Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken.

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Fotos von mir selbst.

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