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Buchbesprechung: Die Weisheit der Vielen

Die Weisheit der Vielen

Wenn eine Gruppe von Menschen das Gewicht eines Ochsens genauer schätzen kann als ein Experte, dann sind wir bei Die Weisheit der Vielen von James Surowiecki.

Schwarmintelligenz ist ein Begriff, welcher zukünftig immer häufiger auftauchen wird. Daher ist es durchaus sinnvoll sich damit zu befassen – und höchst spannend noch dazu.

Der Inhalt

Ich gebe es zu – der “Weisheit der Vielen” stand ich erst einmal etwas skeptisch gegenüber. Wie kann es sein, dass die Masse klug reagiert, wenn die Geschichte doch unglaublich viele ziemlich dumme Handlungen der “Vielen” zeigt? Und man muss nicht einmal in die Vergangenheit abtauchen – auch in der Gegenwart entscheidet sich die Masse immer wieder für absolut unverständliche Dinge. Ausserdem frage ich mich, ob man tatsächlich irgendwann keine Spezialisten mehr braucht, wenn Gruppen sowieso alles wissen?
Andererseits klingt es auch unglaublich faszinierend: Der Fundort eines gesunkenen U-Boots wurde von einer zufällig ausgewählten Menge auf 200m genau bestimmt – die Experten hätten es nicht gefunden. Wie funktioniert das?

Das Buch führt von Stammtischdiskussionen weg, hin zur Wissenschaft. Und wie immer ist es nicht ganz so simpel, wie es zu Beginn klingt. Einerseits muss man sich erst einmal fragen, was für eine Antwort da überhaupt gesucht wird. Handelt es sich um ein Kooperationsproblem, bei welchem eine Lösung bei der Zusammenarbeit von Menschen gefunden werden muss ? Es könnte allerdings auch ein Koordinierungsproblem sein (Eine Möglichkeit finden, um ein Verhalten zu koordinieren) oder ein Kognitionsproblem (Eine Antwort auf Fragestellungen finden).

Auch die Messung der Daten sollte nicht unterschätzt werden. So kann beim Gewicht des Ochsens ganz einfach der Durchschnitt der Schätzungen berechnet und mit der Expertenmeinung verglichen werden. Beim Standort des U-Boots wird es schon deutlich komplexer und beim Verhalten in einem Stau werden die “Nicht-Mathematiker” bestimmt an ihre Grenzen stossen.

Zum Glück verschont uns der Autor mit komplizierten Berechnungen. Statt dessen lebt das Buch hauptsächlich von faszinierenden Beispielen zu den Theorien. Ich muss zugeben – manche davon haben mich nicht so sehr interessiert und ich habe mir das Recht herausgenommen, diese grosszügig zu überblättern. Andere wiederum waren äusserst spannend und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Dabei zeigt Dir der Autor gleich zu Beginn, weshalb diese Gruppenintelligenz überhaupt funktioniert und welche Bedingungen erfüllt sein müssen. Damit lässt sich auch ganz gut erklären, warum die Masse oft eben nicht besonders weise reagiert.

Manchmal habe ich mich in den ganzen Theorien und Beispielen etwas verloren gefühlt und hätte mir z.B. noch Zusammenfassungen an den Enden der Kapitel gewünscht. Ansonsten fand ich den Schreibstil jedoch sehr angenehm und denke, dass das Buch eine gute Einstiegslektüre in diese komplexe Thema ist.


An dieser Stelle möchte ich mich herzlich beim Plassen Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken.

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Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Fotos von mir selbst

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