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Buchbesprechung: Frei bewegen

Dieser Beitrag enthält eine Rezension (Rezensionsexemplar erhalten) und Affiliate Links Mehr dazu hier.

Dieses Buch liegt schon ganz lange bei mir. Allerdings nicht, weil ich nicht wüsste, wie ich es beschreiben soll. Sondern weil es einfach so unglaublich viel Wissen liefert. 400 Seiten – über 300 Übungen – unbeschreiblich viele Hintergrundinformationen: Frei bewegen von Eric N. Franklin ist wahrlich nicht in einem Nachmittag zu lesen. Wenn Du es jedoch in gut verdauliche Häppchen aufteilst, wirst Du begeistert sein.

Der Inhalt

Schon das Titelbild von „Frei bewegen“ hat mich begeistert – es verkörpert für mich genau das, um was es im Buch geht: Seine Körperhaltung und Bewegungen durch clevere und passende Vorstellungsbilder zu verbessern.

Etwas schade fand ich natürlich anschliessend, dass es im Buch selbst keinerlei Farbbilder gab. Andererseits hätten diese den Preis wahrscheinlich stark erhöht. Gleichzeitig helfen die zahlreichen Grafiken dabei, zu verstehen, wie unser Körper funktioniert.

All das mag Ihnen höchst kompliziert vorkommen, Tatsache ist jedoch, dass wir diese mentalen Fähigkeiten besitzen und sie, ohne dass es uns bewusst ist, auch häufig einsetzen. Worauf es ankommt, ist, uns bewusst zu machen, was wir mit unserer Vorstellungskraft alles erreichen können, und mit allen möglichen Imaginationsarten zu arbeiten, um aus unserer Mentalkraft ein Werkzeug werden zu lassen, mit dem wir unsere Bewegungen verbessern können.

Aus „Frei bewegen“

Wenn Du Dich bei den Themenbereichen Visualisierung oder auch Mentalkraft noch nicht besonders gut auskennst, empfehle ich Dir, den Fokus auf die ersten Kapitel zu setzen. Du erfährst nämlich erst einmal, was für Vorstellungstechniken es gibt – und auch dass es sich dabei nicht um esoterische Praktiken handelt sondern dass die Effekte gut messbar sind. Gerade im Spitzensport wird Visualisierung häufig angewendet.

Bereits im ersten Teil des Buches werden immer wieder kurze Übungen eingeflechtet, um sich mit den verschiedenen Visualisierungssorten bekannt zu machen. So kannst Du Dir z.B. vorstellen, wie Eis über Deinen Schultern schmelzt, um diese zu entspannen. Vielleicht gefällt Dir aber auch dieses Bild nicht: Dann fährst Du evt. besser mit der Vorstellung, dass Du ein Baum bist, von welchem der Regen von den Ästen tropft.

Halten Sie mit einer Hand das Handgelenk der anderen Hand fest und schütteln Sie sie. Stellen Sie sich zunächst vor, dass Sie Ihre Handwurzelknochen schütteln. Dann stellen Sie sich vor, dass Ihre Handwurzelknochen kleine Glocken seien, die klingeln, wenn Sie sie schütteln. Vergleichen Sie die beiden Bilder: Welche ist einfacher zu visualisieren? Welches gefällt Ihnen besser? Welches dient eher zur Lockerung Ihres Handgelenks? Welches macht mehr Spass?

Aus „Frei bewegen“

Mir gefiel es ausgesprochen gut, dass es keine klaren Vorgaben für die Visualisierungen gab sondern immer nur Ideen. Der Leser wird dazu aufgefordert, diese Bilder zu suchen, welche für ihn am Besten funktionieren.

Gleichzeitig gibt es hierbei aber dennoch einige Einschränkungen. Wenn Du Dir etwas vorstellst, das im Körper genau umgekehrt funktioniert, ist es äusserst schwierig, von den mentalen Bildern zu profitieren.

Ein Beispiel:
Bei Drehungen (z.B. im Tanz) sollen sich die Tänzer oftmals vorstellen, dass sich ihre Wirbelsäule aufrichtet, damit sie gerade bleiben. Bei einer Drehbewegung wird die Wirbelsäule in Wirklichkeit aber ein bisschen kürzer. Du stellst Dir in diesem Fall etwas vor, das eigentlich kontraproduktiv für die gewünschte Bewegung ist.

Beobachten Sie, welche Art der sensorischen Wahrnehmung Ihnen beim Visualisieren am wenigsten liegt, und beziehen Sie diese sensorischen Modalitäten allmählich in Ihre Übungen mit ein.

Aus „Frei bewegen“

Um sich daher selbst clevere Bilder zusammenzubauen, ist es notwendig, etwas über die Funktionsweise des Körpers zu wissen. Im zweiten Teil des Buches erfährst Du daher ausführlich, welche biomechanischen und anatomischen Grundsätze gelten. Ich habe mich dabei ein bisschen in den Physikunterricht zurückversetzt gefühlt. Gleichzeitig war es aber viel spannender, weil Du all die Grundsätze direkt auf den Körper anwenden kannst.

Sobald die Basics sitzen, werden die einzelnen Körperbereiche (z.B. Wirbelsäule und Bauchwand oder Schultern, Arme und Hände) in jeweils einem ausführlichen Kapitel besprochen. Du erfährst zu Beginn, wie diese anatomisch aufgebaut sind und anschliessend, welche Bilder sich besonders gut eignen. Das hört sich nun erst einmal sehr simpel an, war aber äusserst komplex.

Selbst mit meinen Grundlagen als Fitnessinstruktor und mit ein paar Physikvorlesungen empfand ich die Theorie als tiefgehender als in fast jedem anderen Buch. Es geht z.B. nicht nur darum, die Namen der Muskeln und Gelenke zu kennen, sondern wie diese bei gewissen Bewegungen zusammenspielen. Ein kleiner Ausschnitt zum Bauchmuskel/ Becken liest sich z.B. wie folgt:

Der untere Teil des quer verlaufenden Bauchmuskels und ähnlich der des inneren schrägen entspringt an der inneren Knochenlippe des Beckenkamms und verläuft bis zur Rektusscheide die den geraden Bauchmuskel umgibt. Wenn diese beiden sich verkürzen, entsteht Inflare und Innenrotation der Beckenhälften. In der nutierten Stellung des Kreuzbeins greifen die Gelenkflächen im ISG besser ineinander. Hinzu kommt, dass die meisten Bänder gespannt sind, wenn man die Hüftgelenke beugt oder sich nach einem Sprung zusammenkauert, wenn man ein schweres Objekt anhebt oder sich auf einen Aufprall vorbereitet.

Aus „Frei bewegen“

Diese Komplexität hat mich gleichzeitig begeistert und auch ein bisschen abgeschreckt. Ich glaube, man müsste sich mindestens ein Jahr Zeit nehmen, um das Buch im Detail zu studieren und sich die einzelnen Bewegungen einzuprägen und diese zu verstehen. Gleichzeitig ist es in unserer schnelllebigen Gesellschaft ja auch nicht schlecht, wenn etwas mal länger Bestand hat und nicht in wenigen Stunden inhaliert werden kann.

Ich würde das Buch daher nicht unbedingt kompletten Anfängern empfehlen. Auch wenn die Übungen unglaublich toll sind und mich immer wieder inspiriert haben, ist schon ein bisschen Grundwissen oder auf jeden Fall ein sehr grosses Interesse am menschlichen Körper gefordert. Wenn Du dieses jedoch mitbringst, wirst Du auf jeden Fall begeistert sein!

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Vielen Dank an den riva Verlag für das Rezensionsexemplar. Fotos von mir selbst.

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