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Buchbesprechung: Reife Leistung

Dieser Beitrag enthält eine Rezension (Rezensionsexemplar erhalten) und Affiliate Links. Mehr dazu hier.

Ich liebe Bücher, welche es schaffen, mich so richtig zu motivieren. Manchmal gelingt dies durch atemberaubende Bilder. Beeindruckende Texte. Oder – wie bei Reife Leistung von Christoph Cöln – durch inspirierende Athleten.

Der Inhalt

In diesem Buch werden in 11 Kapiteln Menschen vorgestellt, welche in sportlicher Hinsicht erstaunliches leisten. Das besondere daran ist, dass sie alle über 70 sind – manche von ihnen sogar weit über 80 oder gar 90. Der Autor nennt diese Personengruppe „Masterathlethen“, was ich einen sehr treffenden und gleichzeitig schmeichelhaften Begriff finde.

Dabei wird jedes Kapitel einem bestimmten Thema, wie z.B. Freiheit, Kraft oder Leichtigkeit gewidmet. Obwohl ich das eine schöne Idee fand, konnte ich diese Begriffe oftmals nicht mit dem Inhalt in Übereinstimmung bringen. Schlussendlich war dies aber nicht tragisch – ich habe mich statt dessen einfach mehr auf die Inhalte konzentriert.

Dieses Buch ist vielmehr der Versuch, die erstaunlichen Leistungen betagter Menschen zu feiern: ihren Mut, ihre Kreativität und ihr Durchhaltevermögen; sie dabei zu beobachten, wie aktiv sie ihren letzten Lebensabschnitt gestalten. Es ist auch der Versuch, ihre (Lebens-)Geschichten zu hören und gemeinsam mit ihnen über das Alter nachzudenken, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie gutes Leben gelingen kann. Ein Leben, zu dem der Tod selbstverständlich dazugehört. Ein Protagonist sagte mir einmal: „Ich weiss, dass ich sterben werde. Aber ich will wenigstens fit sein, wenn es passiert.“

Aus „Reife Leistung“

Dabei hat der Autor verschiedene Themenbereiche sehr gelungen miteinander kombiniert. So stellt er einerseits jeweils die Athleten und ihre sportliche Laufbahn vor. Gerade bei ausgefalleneren Sportarten wie z.B. Steinstossen oder Skispringen (ok, das ist wahrscheinlich nur für mich ausgefallen, da ich mich damit noch gar nicht beschäftigt habe) fand ich es genial, dass diese auch im Detail beleuchtet wurden. Einen besonders persönlichen Touch bekommen die Geschichten, da auch immer wieder kleine Eigenheiten der Protagonisten zur Sprache kommen.

So fand ich es z.B. sehr faszinierend, dass die Weltmeisterin im Kugelstossen unglaublich viel reist, wie die Leichtathetikspezialistin Ingrid Holzknecht nach einem Unfall wieder auf die Beine kam oder warum Gerhard Müller beim Sport einen roten Pulli mit einem weissen Hemd trägt.

Sowohl die Athleten als auch der Autor sind überzeugt davon, dass Sport zahlreiche Alterserscheinungen reduzieren kann und ein Muss für ein gesundes Leben ist. Um dies zu untermauern, wird immer wieder einmal ein wenig Theorie eingeflochten. So erfährst Du, weshalb nebst Ausdauertraining auch Krafttraining wichtig ist oder warum der VO2max-Wert wichtig ist.

„Ich habe immer nach einem Gleichgewicht gesucht, also nie eine verbissen Tiefe und Einseitigkeit zugelassen“, sagt er. „Einseitigkeit ist nicht meine Veranlagung, sondern Vielseitigkeit. Von vielen Dingen ein wenig.“ Er lacht. „Oder auch gern ein bisschen mehr.“

Aus „Reife Leistung“

Besonders gut hat mir zudem der Bildteil in der Mitte gefallen. Dabei siehst Du die Personen jeweils einmal im Portrait und zudem in Action. Von den Leistungen zu lesen ist schon beeindruckend – diese anschliessend noch auf Fotos zu sehen, macht das ganze noch viel besser.

Ich höre immer wieder von verschiedenen Personen (durchaus auch noch jünger als in diesem Buch), dass sie etwas nicht mehr tun können, weil sie nun zu alt dafür seien. Oder es zu spät sei, noch etwas neues zu beginnen. Gerade für diese Menschen ist das Buch unglaublich inspirierend. Während manche Athleten durchaus auch schon in ihrer Jugend aktiv waren, haben andere erst spät angefangen und dennoch noch beachtliche Leistungen erzielt. Durch die Vielfalt an unterschiedlichen Personen und Lebensentwürfen wird gleich auch mit den meisten Vorurteilen aufgeräumt: Man kann durchaus sein ganzes Leben auf den Sport fokussieren – aber man muss nicht. Man kann an Wettkämpfen teilnehmen – aber man muss nicht. Man kann diese gewinnen – aber man muss nicht. Wie Du siehst, gibt es viele mögliche Wege – allen gemeinsam ist die Liebe zum Sport und die beeindruckenden Leistungen.

Es ging bei ihm nicht um das konkrete Spiel oder ein bestimmtes Rennen, sondern um das sportliche Gesamtkunstwerk, das sein Leben ist. Um den Turm aus Ziffern und Zahlen, den der 73-jährige Multisportler im Laufe seiner Karriere angehäuft hatte.

Aus „Reife Leistung“

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich beim riva Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken.

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Fotos von mir selbst.

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One comment

  1. Mist….schon wieder eine Buchvorstellung von Dir, die äußerst interessant klingt :))
    Ich selber bin 51 Jahre und merke, dass nicht mehr alles so gut geht wie noch vor 10 Jahren. Die Versuchung ist manchmal groß, Dinge dann einfach aufzugeben…zum Glück habe ich aber wohl ein „Sportgen“, das mich dann immer wieder dazu bringt, weiterzumachen. Dann halt in kleinerem Rahmen, oder modifiziert….ich versuche, einfach das zu machen, was noch geht (auch wenn es schon manchmal frustrierend ist und oft auch Schmerzen auftauchen).
    Ich glaube, das Buch werde ich kaufen, danke für die Vorstellung!

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