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Buchbesprechung: The Dark Net

Manchmal habe ich ein Buch in der Hand, welches ich mir für einen späteren Zeitpunkt aufsparen möchte. Aber sobald ich die ersten Zeilen überfliege, ist es so gut, dass ich es nicht schaffe, auch nur eine Minute länger mit dem Lesen zu warten. Es wäre tragisch, wenn ich Dir diese Bücher nicht vorstellen würde, nur weil sie nicht zum Thema dieses Blogs passen. So zum Beispiel The Dark Net: Unterwegs in den dunklen Kanälen der digitalen Unterwelt von Jamie Bartlett

Der Inhalt

Die meisten von uns surfen ganz normal über Google, kaufen mal etwas bei Amazon oder Zalando ein und checken die sozialen Medien. Abseits von diesen normalen Pfaden existiert jedoch ein weiteres Netzwerk, welches seine ganz eigenen Regeln hat (nämlich meistens keine), anonym ist und manchmal auch sehr verstörend. Jamie Bartlett hat es geschafft, diese Themen zwar sehr realitätsnah aber gleichzeitig relativ neutral zu beleuchten. Er beginnt dabei bei relativ simplen Themen wie den Internettrollen. Ich weiss noch, wie ich zu meinen eigenen “Internetanfängen” sehr viel in Foren unterwegs war. Dort hiess es regelmässig “Don’t feed the trolls”. Ich ging dabei davon aus, dass dies einfach nur ein Vergleich mit den Fantasytrollen sei. Was sich jedoch wirklich hinter diesem Begriff verbirgt, erfährst Du in diesem Buch. Und während man über einige Aktivitäten der Trolls schmunzeln kann, haben diese Tätigkeiten auch das Potenzial, ein ganzes Leben zu zerstören.

Weiter geht es mit der Beleuchtung verschiedener Charaktere, welche in der realen Welt kaum Freunde haben, sich aber über das Internet ein eigenes Imperium aufbauen – mal politisch motiviert, mal anderweitig. Jamie Bartlett schlägt gekonnt den Bogen zu den Cypherpunks, welche faszinierende neue Verschlüsselungsmethoden entwickelt haben und wie diese sowohl positives aber auch negatives bewirken. Anonyme Browser können eine gewisse Faszination ausüben, leider erleichtern sie aber auch viele Verbrechen ungemein und sorgen dafür, dass auch neugierige Stöberer schneller zu “Gelegenheitsverbrechern” werden. Dies wird im Kapitel “Nur drei Klicks” genauer erläutert.

Mit der Entwicklung von anonymen Browsern und einer anonymen digitalen und dezentralen Währung entstehen natürlich auch ganz neue Marktplätze, auf denen man alles mögliche kaufen kann. Interessant fand ich bei den Schilderungen immer, dass der Autor selbst ausprobiert, die beschriebenen Personen trifft und nicht nur vom Hörensagen berichtet. Dies macht das Buch spannend und irgendwie greifbarer. So ist er z.B. bei der Vorführung eines Callgirls live dabei (aber nicht in Aktion) und kann dadurch die verschiedenen Seiten beleuchten.

Weniger amüsant wird das vorletzte Kapitel – in unterschiedlichen Selbsthilfeforen werden selbstzerstörerische Verhalten (z.B. Magersucht) gefördert und können sogar bis zum Tod der User führen. Gleichzeitig hat der Autor auch beleuchtet, wie manche dieser Foren den Betroffenen helfen können und weshalb ein weltweites Verbot (abgesehen von der Durchsetzbarkeit) nicht die ideale Lösung sein kann. Am Ende wird es nochmals richtig abstrakt und Du erfährst mehr über Anarchoprimitivisten und Transhumanisten.

Meine Meinung

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich vor dieser Lektüre weder etwas über anonyme Browser noch über spezielle Währungen wusste. Daher fand ich das Buch extrem spannend, faszinierend und auch ein bisschen beängstigend. Gleichzeitig habe ich mir natürlich auch so meine Gedanken gemacht, ob es denn sinnvoll sei, all diese Informationen in einem Buch zu vereinen. Falls Du Dir die selben Sorgen machst, kann ich Dich direkt wieder beruhigen. Wer möchte, kommt an diese Informationen auch anderweitig heran. Das Buch ist so packend beschrieben, dass ich mir jedoch auch vorstellen könnte, dass es für diejenigen sehr spannend ist, welche sich bereits besser auskennen.

Die Sterne

Dieses Buch bekommt von mir 5 von 5 Sternen.

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich beim Books 4 Success Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken.

 

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Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com

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5 comments

  1. Liebe Ariana,
    danke für die Rezension, das Thema interessiert mich – und wenn’s noch dazu gut geschrieben ist… ;-)

    Ciao,
    Harald

    1. Lieber Harald
      Es freut mich, dass Dir die Rezension gefallen hat – jetzt bin ich neugierig, ob dir das Buch ebenfalls zugesagt hat.
      Liebe Grüsse
      Ariana

  2. Hallo Ariana,

    wahnsinn. Gerade vor zwei Tagen habe ich mich für einige Stunden in diesem Web verloren. Beziehungsweise im normalen Internet beim Lesen von Berichten etc. Es vergeht einem wirklich die Sprache zu was der Mensch im Stande ist, wenn er durch die Technik anonym bleibt. Unglaublich so etwas.
    Ich persönlich halte mich nun von allem fern, was dort so rumschwirrt. Wie hälst du das?

    Gruß,
    Ben

    1. Hallo Ben
      Naja – ganz vom Internet fern halten kann man sich ja beinahe nicht mehr – und das würde ich selbstverständlich auch nicht wollen. Aber natürlich versuche ich, dieses Medium so positiv wie irgendwie möglich zu verwenden.
      Liebe Grüsse
      Ariana

  3. […] Autor Jamie Bartlett war mir bereits von The Dark Net bekannt, welches ich auch schon auf Eigenerweg rezensiert habe. Daher wusste ich bereits, dass ich […]

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