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Buchbesprechung: The Four


Irgendwie gehe ich bei Büchern automatisch davon aus, dass die Autoren ein Thema mehr oder weniger neutral beleuchten. Ein Blog darf ruhig persönlich sein (ursprünglich waren das ja “digitale Tagebücher”) aber ein gedrucktes Buch? Dass es auch anders geht, erfährst Du in The Four: Die geheime DNA von Amazon, Apple, Facebook und Google von Scott Galloway

Der Inhalt

In diesem Buch beschreibt Scott Galloway die vier einflussreichsten Unternehmen der Welt: Facebook, Amazon, Apple und Google. Dabei nennt er sie gleich zu Beginn “die apokalyptischen Reiter” und setzt damit die Grundlage für den Verlauf des restlichen Buches.

Nach einer kurzen Einleitung widmet er jedem dieser Unternehmen ein Kapitel. Ich fand es dabei genial, wie er die Unternehmensphilosophie mit den menschlichen Grundbedürfnissen verknüpft hat. Apple spricht den Wunsch nach Sex an, Facebook das Bedürfnis nach Liebe und Google wird gar mit Gott gleichgesetzt. Amazon schlussendlich spielt mit unserem Jäger und Sammler Instinkt.

Hierbei möchte ich kurz anmerken, dass das Buch regional sehr stark auf Amerika bezogen ist. Sämtliche Statistiken betrachten lediglich Amerika und manche Tipps sind auf andere Länder gar nicht anwendbar. In der Schweiz verwende ich Amazon z.B. nach wie vor ausschliesslich für Bücherbestellungen, da die meisten anderen Artikel nicht hierher lieferbar sind. In Amerika wird Amazon jedoch bereits oft als Suchmaschine für Produkte verwendet und es kann so gut wie alles darüber bestellt werden. Ich bin ja gespannt, ob sich dieser Trend auch nach Europa fortsetzt.

Die Verbraucher reden eine Menge über gesellschaftliche Verantwortung, aber dann kaufen sie Telefone und kleine Schwarze, die in Fabriken hergestellt wurden, in denen sich die Menschen zu Tode schuften und wo man Quecksilber ins Wasser schüttet.

Die Sprache des Autors und die Vergleiche sind sehr pointiert, zum Teil sogar ein bisschen bösartig und provokativ. Aber immer wenn ich kurz davor war, mich über eine spezielle Aussage zu ärgern, macht sich der Autor wieder über sich selbst lustig oder bringt einen richtig gut gemeinten Ratschlag, der mich wieder mit dem Buch versöhnte. Andere Metaphern haben mich hingegen zum Lachen gebracht – werden aber die entsprechende Zielgruppe möglicherweise ärgern:

“Bei konventionellen Unternehmen habe ich die Erfahrung gemacht, dass alles Neue als innovativ betrachtet wird und dass die dafür zuständigen Menschen wie frischgebackene Eltern eine irrationale Leidenschaft für das Produkt entwickeln, sodass sie sich weigern anzuerkennen, wie dumm und hässlich ihr kleines Projekt geworden ist.”

Und dann einige Seiten später zur Versöhnung:

“Die Menschheit braucht mehr engagierte Eltern und kein besseres scheiss Telefon!”

Hier schimmert bereits die Haltung des Autors durch: Er ist von den grossen vier Reitern nicht sehr angetan und macht diese auch ganz klar deutlich. Nach den einzelnen Kapiteln über diese Unternehmen widmet er sich anschliessend ganz und gar deren Geschäftsgebahren. Welche durchaus nicht immer ethisch vertretbar sind.

Besonders spannend fand ich die folgenden Kapitel, in welchen der Autor analysiert, was es braucht, um ein erfolgreiches Unternehmen zu sein und welche Unternehmen eine grosse Chance darauf haben, der fünfte Reiter zu werden.

Dafür stand ich den Ratschlägen in den letzten Kapiteln, in welchen gezeigt wird, wie man in dieser schönen neuen Unternehmenswelt Erfolg hat, wiederum sehr kritisch gegenüber. Manche sind davon ziemlich selbsterklärend (Leistungsbereitschaft kultivieren), manche für den Normalbürger doch etwas lebensfremd (Machen Sie einen Plan, wie Sie auf eine Million, drei Millionen oder fünf Millionen Dollar kommen) oder einfach nur deprimierend:

“Dass ich als junger Berufstätiger auf Work-Life-Balance verzichtete, kostete mich meine Haare, meine erste Ehe und wohl auch meine Zwanziger. Aber das war es wert.”

Immerhin war dieses Kapitel nicht allzu lange und könnte wohl bei jemandem mit einer anderen Lebenseinstellung als meiner dennoch sehr gut ankommen.

Schlussendlich fand ich die Titelgestaltung äusserst gelungen (wer kennt welches Logo? 😉 ) und die Grafiken im Inneren des Buches passend.

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der zur Abwechslung einmal kein Loblied auf die grossen Unternehmen lesen möchte, sondern eine etwas kritischere Abhandlung.

 


An dieser Stelle möchte ich mich herzlich beim PLASSEN Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken.

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Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Fotos von mir selbst

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