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Buchbesprechung: Wenn Affen von Affen lernen

Dieser Beitrag enthält eine Rezension (Rezensionsexemplar erhalten) und Links. Mehr dazu hier.

Hast Du langsam auch genug vom immer gleichen Thema (Ich erwähne das C-Wort jetzt absichtlich nicht)? Wenn Du Lust hast, für ein paar Stunden in einen komplett anderen Bereich abzutauchen, kann ich Dir Wenn Affen von Affen lernen von Dr. Mario Herger empfehlen.

Der Inhalt

Künstliche Intelligenz ist ein Thema, das die Menschen gleichzeitig fasziniert und ängstigt. Einerseits sehen wir unglaubliches Potenzial, andererseits sorgen Weltuntergangsszenarien für Panik.

Dabei ist es gar nicht so einfach, überhaupt zu definieren, was künstliche Intelligenz ist. Oder grundsätzlich „Intelligenz“. Was unterscheidet uns denn überhaupt von Tieren, Pflanzen oder eben Maschinen?

Der Autor hat mit diesem Buch ein wahnsinnig spannendes Werk geschaffen, das sich nicht damit begnügt, einfach nur an der Oberfläche zu kratzen. Statt dessen wird künstliche Intelligenz von den unterschiedlichsten Seiten her betrachtet.

Wenn wir also Maschinen Eigenschaften wie Emotionen, Empathie oder Bewusstsein zugestehen wollen, könnten diese vielleicht auch ähnliche „Entwicklungsstörungen“ haben wie manche Menschen. Autismus, Kreativität, Synästhesie, Paranoia und Ähnliches könnte Intelligenz erst richtig intelligent machen, so wie Schönheit erst durch kleine Fehler wirklich schön wird.

Aus „Wenn Affen von Affen lernen“

Einerseits definiert er erst einmal, worum es sich bei künstlicher Intelligenz handelt und wie weit wir diesbezüglich bei der Entwicklung sind. Dabei spricht er auch die unglaublich vielen Fehlermöglichkeiten an, die entstehen können, wenn man die KI mit falschem Material trainiert. So erkennt z.B. eine künstliche Intelligenz Menschen mit dunkler Hautfarbe nicht als Menschen, wenn sie nur mit Fotos von weissen oder asiatischen Menschen trainiert wurde. Da es auch heute nie zu 100% absehbar ist, wie eine bestimmte künstliche Intelligenz lernt, ist das Fehlerpotenzial relativ gross.

Man sieht schon, ein heutiges KI-System, das mit grossen Datenmengen trainiert werden muss, ist nur so gut, wie die Güte des Datensatzes erlaubt. Einem KI-System-Trainer obliegt die verantwortungsvolle Aufgabe, gutes Datenmaterial zu kuratieren.

Aus „Wenn Affen von Affen lernen“

Jeder kann sich wahrscheinlich vorstellen, dass eine künstliche Intelligenz grosse Datenmengen besser verarbeiten kann, als wir Menschen. Aber was ist eigentlich mit Emotionen? Muss eine Maschine diese erkennen können? Und wenn ja – sollte sie allenfalls auch selbst Gefühle zeigen? Fühlt sie dann wirklich? Wie wichtig sind überhaupt Emotionen, resp. für was sind die da?

Schon die oben genannten Fragen sind relativ schwer zu beantworten. Ich fand es jedoch klasse, wie gut der Autor die Leser an (mögliche) Lösungen heranführt – die Mischung zwischen kurzen Geschichten, Theorie und Ideen war gelungen und sowohl lehrreich als auch unterhaltsam.

Sobald sich ethische und moralische Fragen stellen, wird es noch viel komplexer. Sollen wir einer künstlichen Intelligenz moralische Werte mitgeben und wenn ja welche? Könnte man nicht sogar davon ausgehen, dass sie selber cleverer reagieren würde, als wir es je können? Da man KI ja nicht einfach programmiert, sondern diese selbst lernt, stellt sich zudem die Frage, was sie diesbezüglich dazulernen würde.

Der Designer Don Norman vertritt die Meinung, dass genau das ein Roboter können muss: nicht nur Emotionen von Menschen lesen und interpretieren, sondern selbst Emotionen vermitteln können. Wie sich herausstellt, reagieren Menschen auf gezeigte Emotionen anderer Menschen, Tiere und sogar Objekte. Einem Roboter, der Frustration ausdrückt, wird zu Hilfe geeilt.

Aus „Wenn Affen von Affen lernen“

Mir gefiel es unglaublich gut, wie viele Fragestellungen der Autor aufwarf. Je mehr ich las, umso mehr wurde ich zum Denken angeregt – und während manche Lösungen zu Beginn ganz einfach wirkten, so waren diese gegen Ende äusserst komplex. So scheute der Autor auch nicht vor religiösen Fragen zurück und widmete ein ganzes Kapitel der „kreativen KI“. Auch hier wird erst wieder einmal erörtert, was Kreativität grundsätzlich genau ist – äusserst spannend!

Wenn ich mit anderen Menschen über KI spreche, ist die grösste Angst oftmals der Verlust der Arbeitsstelle. Gegen Ende wurde diesem Thema auch ein eigenes Kapitel gewidmet – und glücklicherweise sieht auch dieses nicht ganz so schwarz aus, wie befürchtet.

Wenn wir ein Kind mit Klebebildchen oder Süssigkeiten für jedes gelesene Buch belohnen, dann wird es vor allem die dünnsten Bücher lesen. Die Schwachstellen des Anreizsystems werden zur Maximierung der Belohnungen ausgenutzt. Und genau das machen Maschinen auch, wenn man sie lässt.

Aus „Wenn Affen von Affen lernen“

Du hast es vielleicht schon etwas an meiner Rezension gespürt – wenn Du mehr über KI erfahren möchtest, kann ich Dir das Buch auf jeden Fall empfehlen. Aber auch wenn Du Dich einfach für Menschen und deren Funktionsweise (Intelligenz, Gefühle, Lernfähigkeiten, Psychologie etc.) interessierst, ist es Gold wert!


An dieser Stelle möchte ich mich herzlich beim PLASSEN Verlag für das Rezensionsexemplar bedanken.

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Fotos von mir selbst.

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