AllgemeinMotivation

Das ist doof, was Du da tust!

See bei Porrentruy

Kisten, Schubladen, Kartons, Fächer.

Klassifizieren, zuteilen, beschriften, benennen – Ordnung muss einfach sein!

Die meisten Menschen mögen kein Chaos. Intuitiv versuchen sie, jede neue Situation etwas Bekanntem zuzuordnen. Und diesem Erlebnis ein Etikett an die Stirn zu pappen.

Das kennst Du bestimmt auch:

  • Menschen, welche in zerrissenen Kleidern vor dem Hauptbahnhof herumlungern und auffallend viele Bierdosen um sich herum gestapelt haben? Bedeutet: Obdachlose = Etwas Abstand halten.

Manchmal wird die gleiche Situation auch ganz unterschiedlich wahrgenommen:

  • Junge Mutter mit zwei Kleinkindern platziert sich neben Dir im Zugabteil. Bedeutet für Julia: Bald wird es laut, bloss schnell die Kopfhörer suchen. Bedeutet für Sandra: Schnell die Kopfhörer abziehen, vielleicht kann man mit den süssen Kindern lustige Faxen schneiden und diese unterhalten.

Manche dieser Etiketten sind durchaus sinnvoll und schützen Dich vor gefährlichen Situationen. Heute möchte ich nur auf einen grossen Kleber eingehen:

Der Doof-Kleber. 

Manchmal tarnt sich der Doof-Kleber auch als “uncool-Kleber” oder als “dumm-Kleber” oder als “du-bist-komisch-Kleber”. Er wird immer wieder einmal ziemlich gedankenverloren verwendet und richtet dabei einiges an Schaden an.

So fällt mir immer wieder auf, dass es gewisse Sportarten gibt, welche cool sind (Klettern) und manche sind “doof” (Walken). Wenn ich den Leuten erzähle, dass ich oft und gerne walke, muss ich meistens erst einmal lang und breit erläutern, dass das nicht “doof” ist und durchaus viel Spass machen kann. Aber es geht auch innerhalb der Sportarten so weiter: Diejenigen, welche vor allem am Fels kraxeln, erklären mir, dass das Sportklettern in der Halle “doof” ist. Die passionierten Surfer finden SUP “doof”. Die leidenschaftlichen Kraftsportler benennen Übungen mit dem eigenen Körpergewicht “doof” und Yoga sowieso. Bikram Yoga (Yoga bei 40°C) ist dafür dann meistens wieder cool. Auch Nichtsportler wissen ganz genau, was sie super finden und was “doof” ist. Eine Wanderung mit vielen Höhenmetern und abschüssigen Wegen ist cool – ein gemütlicher Spaziergang am See ist “doof”. Manchmal wird es aber auch schwierig – da finden nämlich dann plötzlich die gemütlichen Spaziergänger die Alpinwanderung “doof” (und viel zu gefährlich) und die Mountainbiker sind sowieso “doof” (und störend).

Hast Du langsam genug von diesem Wort? Ja, ich auch. 

Ich habe genug davon, immer erklären zu müssen, warum ich leidenschaftlich gerne die unterschiedlichsten Sportarten betreibe – auch wenn sie jemand anderes doof findet. Ich habe es satt, immer wieder auf gerümpfte Nasen und Schmollmünder zu stossen, wenn ich nicht die “coole” Sportart ausübe. Insbesondere da sich diese abhängig vom Gegenüber laufend ändert. Ich kann die undifferenzierten “das ist doof, was Du da tust” Aussagen nicht mehr hören. Wenn jemandem eine Aktivität aus verschiedenen Gründen nicht zusagt, ist das völlig ok. Aber das gibt einem nicht das Recht, die Sportart insgesamt als “doof” zu klassifizieren. Oder zu erwarten, dass nur bestimmte Menschen diese ausüben (z.B. sind die Mountain Biker immer rücksichtslos, die Walker alt und unsportlich, die Kletterer völlig lebensmüde und die SUPler langweilig). Manchmal mag ich eine meditative kurze Wanderung und manchmal klettere ich auf einen Gipfel – beides ist wunderbar und absolut gleichberechtigt.

Interessanterweise höre ich die Aussagen primär während ich mich über den Sport “unterhalte”. Während ich walke, werde ich z.B. nie mit einem Läufer mit einer gerümpften Nase konfrontiert – meistens lächeln und grüssen diese freundlich.

Lass uns daher ab sofort eine “Doof-Kleber” Säuberungsaktion durchführen. Achte mal selbst darauf, wie Du reagierst, wenn Dir jemand von einer Sportart erzählt. Sind Pole-Dancer wirklich irgendwie billig? Sind Fitness DVDs langweilig? Müssen Golfer Snobs sein? Ertappst Du Dich manchmal dabei, wie Du jemandem ein Etikett auf den Kopf klebst?

Das ist nicht schlimm, das passiert uns allen mal. Aber versuche es Dir bewusst zu machen – am schnellsten kriegst Du den Kleber wieder weg, wenn Du Dich für die Sportart interessierst und einfach mal nachfragst. Und wenn Du jemanden dabei ertappst, dass er Dir ein Schild vor die Augen hängt, dann zeige ihm einfach diesen Beitrag. Oder fasse ihn zusammen –  je mehr sich die Leute bewusst sind, was sie da tun, umso weniger “doofs” liegen uns zukünftig im Weg.

 


 

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Bild von mir von einer Wanderung von Bonfol nach Porrentruy

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6 comments

  1. Das war ein inspirierender Post um einfach mal die Scheuklappen abzunehmen. Leider konnte ich mich in den Artikel auch zum Teil wieder erkennen … 😉

    Liebe Grüße
    Ina

    1. Liebe Ina
      Du sagst es – und ganz ehrlich – ich glaube, jeder erkennt sich da ab und zu selbst 😉
      Liebe Grüsse
      Ariana

  2. Uups, ertappt…. auch ich finde manches manchmal doof…..
    Aber da muss ich mich jetzt an meine Nase packen und daran arbeiten!
    Vielen Dank für die Inspiration
    Liebe Grüße
    Gabi

    1. Liebe Gabi
      Ja, wenn es mir nicht manchmal auch so gehen würde, wäre ich ja wahrscheinlich gar nicht auf dieses Thema gekommen 😉
      Liebe Grüsse
      Ariana

  3. Hi Ariana,

    ich kenne das nur zu gut, was Du da beschreibst. Aber wie Du schon sagst, was doof ist und was nicht, dass bestimmt jeder subjektiv für sich. Bei solchen Bewertungen gibt es letztlich kein richtig oder falsch.
    Und mal ganz ehrlich auf die Meinung der anderen kannst Du bei solchen Dingen getrost pfeifen. Weißt Du wie viele Leute mir ständig sagen, dass ich Dinge nicht tun soll und lieber andere Dinge machen sollte? Viel mehr werden es noch denken, ohne es auszusprechen.
    Ich werde das hier jedoch auf jeden Fall als Aufsatzpunkt nutzen, um selbst mein eigenes Verhalten zu kontrollieren.

    Viele Grüße
    Jahn

    1. Lieber Jahn
      Das ist definitiv ein sehr guter Input von Dir. Die Meinung von anderen ist tatsächlich nicht wichtig und doch nervt es mich ab un zu, wenn ich “meine” Sportarten “verteidigen muss” 😉
      Liebe Grüsse und vielen Dank für Deine netten Worte
      Ariana

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