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Der Weltfrauentag: Es gibt immer etwas zu tun

Ariana Strand Kanada Lachen

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Manchmal fühle ich mich ein wenig wie ein zerzaustes Vögelchen, welches mit voller Kraft gegen einen Sturm ankämpft. Ach was schreibe ich da – von wegen ein Sturm. Es sind mehrere Stürme, hunderte oder gar tausende, die um uns herum toben.

Das beginnt bei der persönlichen Umgebung, in welcher Du auf die meisten konventionellen Produkte in Deinem Badezimmer verzichten solltest (Mikroplastik), Bio-Gemüse aus der Region kaufen solltest, den Abfall trennen und selbstverständlich Deine Energien nicht sinnlos verschwenden. Aber natürlich endet dies nicht in Deinem kleinen Kosmos bei Dir zu Hause. Auch im Alltag wirst Du vor endlose ethische Fragen gestellt: Macht das Auto wirklich Sinn und wenn ja, woher soll seine Energie kommen? Existiert nachhaltiges Reisen? Und welchen Einfluss hat die Benutzung von Online Shopping?

Du kannst das beliebig ausdehnen – wie steht es eigentlich um die Klimaerwärmung? Reicht es, wenn Du gegen diese demonstrierst? Und wie sieht es mit der Zerstörung der Umwelt aus? Dem Artenschutz? Müsste man mehr für die Flüchtlinge tun und gehörst Du auch zu diesem “man”? Und wenn ja – was genau?

Du hast es beim Titel mit Sicherheit schon geahnt – schliessen wir hier elegant den Kreis und stellen uns die Frage:

Besteht anlässlich des Weltfrauentags überhaupt noch Handlungsbedarf oder sollten wir uns dringenderen Problemen zuwenden? 

An dieser Stelle muss ich Dir etwas gestehen: Ich bewahre meistens zahlreiche unterschiedliche Spendenanfragen in einer Klarsichthülle in meinem Büro auf. Nach einigen Wochen versuche ich mich für einige davon zu entscheiden. Aber was ist nun wichtiger – der bedrohte Tiger, die Obdachlosen in der Stadt, die kranken Kinder in Afrika oder einige seltene Arten in den Alpen? Wenn die Anfragen zu viele sind, blockiert mich das und ich spende gar nicht mehr. Ab ins Altpapier mit den ganzen Bettelbriefen und auf die nächsten warten… Ja, Du darfst mir nun ruhig sagen, dass Du enttäuscht bist. Aber genau darum geht es – es gibt so viele Löcher, dass man sie einfach nicht alle stopfen kann.

Da am 8. März der Weltfrauentag ist, möchte ich mich dieser (zugegebenermassen ebenfalls sehr grossen) Thematik zuwenden.

Wenn wir einige Jahre in die Vergangenheit zurückblicken und diese mit der Gegenwart vergleichen, ist es unglaublich, was die Frauen heutzutage alles “dürfen” was ihnen Jahrhunderte verwehrt wurde:

  • Seit 29 Jahren existiert in der gesamten Schweiz das Frauenwahlrecht
  • Seit 35 Jahren ist der Marathon auch für Frauen eine olympische Distanz
  • Seit 30 Jahren sind Frauen und Männer im Eherecht in der Schweiz gleichgestellt (eine Frau muss sich also nicht mehr dem Mann unterordnen und den Haushalt führen)
  • Seit 15 Jahren werden in der Schweiz Gewalthandlungen in der Ehe von Amtes wegen verfolgt (seither ist also z.B. eine Vergewaltigung in der Ehe auch ohne Anzeige strafbar, mit Anzeige war sie übrigens auch erst seit 27 Jahren strafbar)
  • Seit 43 Jahren dürfen Frauen ohne die Einwilligung ihres Ehemannes arbeiten (in der Schweiz)
  • Seit 179 Jahren dürfen Frauen in der Schweiz studieren

Als Westeuropäer können wir uns als Frauen glücklich schätzen. Wir dürfen unsere Ausbildung frei wählen, wir können die Ehepartner aussuchen und uns auch wieder scheiden lassen, es ist uns Besitz erlaubt und auch im Sport sind Frauen in fast allen Bereichen zugelassen.

Es gibt dabei allerdings einige Haken: 

Das ist nicht überall so. Gerade wenn Du viel reist, wird Dir wieder bewusst, wie “frei” wir hier in Europa leben können. In anderen Ländern sind Frauen nach wie vor Eigentum ihres Ehemannes und geniessen nur einen Bruchteil unserer Rechte – wenn überhaupt. Es gibt also hier noch einiges zu tun.

Wenn Du die Zahlen in der obigen Liste nochmals ansiehst, sind diese wirklich erschreckend – 30 Jahre ist definitiv ein sehr kurzer Zeitraum. Das könnte ein guter Grund sein, weshalb die Gleichberechtigung in vielen Köpfen immer noch nicht angekommen ist. Auch wenn die Gesetze den Frauen die Sicherheit geben, gleich behandelt zu werden, so ist z.B. ein um 20% tieferer Durchschnittslohn bei Frauen nach wie vor an der Tagesordnung. Die #metoo Bewegung zeigte überdeutlich auf, dass auch in Sachen sexuelle Belästigung einiges im argen liegt. Alltagssexismus ist gang und gäbe und es gibt nach wie vor viel zu viele Situationen, in denen die männlich dominierte Gesellschaft zu Nachteilen der Frauen führt.

Das schöne daran ist jedoch, dass wir alle es in der Hand haben, jeden Tag ein bisschen etwas daran zu ändern (ja – Männer wie Frauen). Stell Dir vor, wie schön es wäre, wenn Deine Kinder in 30 Jahren das Wort “Alltagssexismus” nicht einmal mehr kennen. Um das zu erreichen, ist es aber notwendig, dass jeder Tag für Tag etwas kleines ändert. Wie gesagt – etwas kleines – Du musst nicht an eine Demo gehen, wenn das nicht Dein Stil ist. Statt dessen könntest Du:

    • Dich erst einmal über Feminismus informieren. Was versteht man überhaupt darunter? Und wieso ist dieser überhaupt noch wichtig? Ein schöner Einstieg ist z.B. das Buch Untenrum frei von Margarete Stokowski
    • Weitere spannende Literaturvorschläge findest Du bei Crow and Kraken 
    • Sprechen! Ich finde das wirklich den allerwichtigsten Punkt – wenn Du etwas hörst, das diskriminierend ist oder abwertend (nicht nur Frauen gegenüber) finde ich es unglaublich wichtig, das anzusprechen. So habe ich zum Beispiel schon Bekannte erlebt, welche arbeitende Mütter als Rabenmütter bezeichnet haben. Ich hätte einfach nicken können. Es wäre einfacher gewesen. Statt dessen fand ich es wichtig, darauf hinzuweisen, dass diese das genauso wenig sind, wie Mütter, welche zu Hause bleiben. In einer anderen Situation war ich mit mehreren Personen im Restaurant und wir kamen etwa 15 Minuten zu spät. Die junge Serviceangestellte meinte daraufhin, wir hätten Glück, sie hätte den Tisch um ein Haar weggegeben. Und die Antwort eines Bekannten: “Wenn Du das getan hättest, hätte ich Dich übers Knie gelegt.” Ich wies ihn später darauf hin, wie unpassend dieser Satz gewesen war – auch wenn es einfacher gewesen wäre, einfach nur zu lächeln und zu schweigen.
    • Sich solidarisch zeigen! Oftmals sind die Frauen gegenseitig die schlimmsten Kritiker. Da wird die Frau mit dem kurzen Rock kritisch beäugt oder gar direkt als schlampig bezeichnet. Oder aber man nennt sich abwertend “Mädchen” (da fallen mir immer die gruseligen GNTM Sendungen ein – Määääädcheeeeen).
    • Andere Frauen ernst nehmen. Ja, vielleicht hätte Dich diese Bemerkung nicht gestört. Oder aber Du kannst es einfach nicht glauben, was Dir diese Freundin erzählt. Ich finde es aber unglaublich wichtig, dass wir alle wissen, dass wir ernst genommen werden, wenn uns etwas nicht behagt. Nur so haben wir die Möglichkeit, etwas zu ändern.

Natürlich kannst Du dennoch an Demos teilnehmen, Frauenrechtsorganisationen unterstützen, im Ausland einen freiwilligen Einsatz leisten oder Artikel veröffentlichen. Je mehr wir tun, umso besser. Wichtig finde ich jedoch, dass Du nicht denkst, Du könntest ja sowieso nichts bewirken, weil Du keine Zeit für die “grossen” Handlungen hast (oder kein Geld). Auch die ganzen kleinen Handlungen im Alltag summieren sich. Und werden irgendwann gross.

Wie sind Deine Erfahrungen zum Thema Feminismus? Tust Du aktiv etwas in Deinem Alltag und wenn ja was? Oder hast Du das Gefühl, wir brauchen dieses Thema nicht mehr? 

 


 

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Fotos von mir selbst. 

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