BücherRomane

Die Buchwoche: der leere Platz

Dieser Beitrag enthält eine Rezension (Rezensionsexemplar erhalten) und Links Mehr dazu hier.

In einer Buchwoche darf nebst den ganzen Sachbüchern ein kleines bisschen Belletristik natürlich auf gar keinen Fall fehlen. Gerade an einem regnerischen Herbsttag (oder haben wir doch schon fast Winter?) gibt es kaum etwas schöneres, als in ein packendes Buch abzutauchen. Und packend war „Der leere Platz“ von Marion Karausche auf jeden Fall!

Der Inhalt (gemäss Klappentext)

Marlen hat ein schönes Leben, unverschämt schön, denkt sie manchmal. Aber wie schnell das Glück zerrinnen kann, auch wenn man ein privilegiertes Leben führt, erfährt sie, als ihr Sohn eines Tages verschwindet. Angstvolles Warten und später die traurige Gewissheit seiner psychischen Krankheit rauben ihr Schritt für Schritt die Leichtigkeit des Lebens. Ein Roman über den Kampf einer Mutter um den Zusammenhalt ihrer Familie und ihre Konfrontation mit einer Krankheit, die in der Gesellschaft wenig Verständnis findet.

Meine Meinung

Klappentexte zu schreiben ist eine Kunst für sich. Man darf nicht zu viel verraten, damit der neugierige Leser nicht schon um seinen Spass gebracht wird. Eine knappe Zusammenfassung des Buches funktioniert daher meistens nicht. Und dennoch sollten doch so viele Informationen wie möglich mitgeteilt werden, damit der Leser weiss, auf was er sich einlässt – und entscheiden kann, ob das Buch etwas für ihn ist.

Die grobe Thematik gibt der Klappentext in diesem Fall durchaus wieder. Allerdings würde ich behaupten, dass er sich in ein paar Punkten irrt.

Sie nickte nur. Was konnte sie schon sagen? Auf der Heimfahrt war sie se, die vor Anspannung ihre Lippen zusammenpresste, während Kai, nun wieder entspannt, sie sicher durch den Verkehr chauffierte.

Aus „Der leere Platz“

Aber von Anfang an: Tatsächlich führen Marlen und ihr Mann ein perfektes Leben mit ihren beiden Kindern. In cleveren Rückblicken erfährst Du, weshalb die Familie nach Marokko gezogen ist und wie es ihnen dort geht. Grundsätzlich gefiel mir im ganzen Buch das geschickte Spiel mit den Zeiten. Durch den Anruf einer Klinik in Deutschland bist Du bereits auf den ersten Seiten mitten im Geschehen – Stück für Stück eröffnet sich Dir anschliessend die Vorgeschichte dazu – und davon wiederum weitere Vorgeschichten – bis hin zur Jugend von Marlen.

Eine Mutter kann nur so glücklich sein wie das unglücklichste ihrer Kinder Marlen erinnerte sich nicht, wo und wann sie diesen Satz gelesen hatte. Aber er traf exakt zu. Auch wenn ihr zweites Kind, ihre vielseitig begabte und allseits beliebte Amy Marlens Herz mit Liebe und Glück erfüllte, konnte sie dieses Glück nicht länger als einen Augenblick festhalten. Kai litt.

Aus „Der leere Platz“

Das glückliche Leben findet jedoch rasch ein Ende, als der Sohn, Kai, nach einem Urlaub einfach nicht mehr auftaucht. Es folgt banges Warten und statt der ersehnten Wiedersehensfreude steht plötzlich eine komplett veränderte Person vor der Familie.

Es stellen sich nun zahlreiche Fragen. Woran leidet der Sohn? Kann man jemandem helfen, dem nicht geholfen werden will? Ist er krank oder ist es die Gesellschaft? Und wie soll eine Familie damit umgehen?

Sie schob den Gedanken wieder weg, vergrub ihn irgendwo in ihrem Inneren. Dort ruhte er nun. Wie ein kleines Tierchen kauerte er in einer dunklen Ecke ihres Wesens und lauerte auf die passende Gelegenheit, sich bemerkbar zu machen. In Momenten, in denen sie schwach und traurig war, oder verzweifelt, sprang er sie an.

Aus „Der leere Platz“

Die schier unlösbaren Schwierigkeiten mit Kai sorgen Stück für Stück auch für ein Auseinanderbrechen des restlichen Alltags von Marlen. Das ganze Buch ist aus ihrer Sicht geschrieben und ich konnte unglaublich gut nachvollziehen, in was für einem Zwiespalt sie stecken muss. Die Autorin schafft es mit viel Feingefühl, aufzuzeigen, weshalb auch scheinbar unlogische Handlungen plötzlich ihre Daseinsberechtigung haben.

Grundsätzlich gefiel mir der Schreibstil ausgesprochen gut. Zart, klar und gleichzeitig mit einer Erzählgewalt, die es kaum zulässt, das Buch einmal aus der Hand zu legen. Ausserdem fand ich das Ende perfekt gelöst – aber dieses darf ich Dir nun definitiv noch nicht verraten.

Fazit

Aber die Wahrheit erforderte Mut, löste Unbehagen auf beiden Seiten aus – beim Zuhörer wie bei ihr selbst – und legte unweigerlich jede Konversation lahm, die gerade erst mühevoll in Gang gekommen war.

Aus „Der leere Platz“

Ein wunderbares Buch über eine Thematik, die mir bisher zwar komplett fern lag – die ich aber nach der Lektüre unglaublich gut nachvollziehen kann. Ich kann es Dir daher auf jeden Fall voll und ganz empfehlen.

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Vielen Dank an den Verlag Kein & Aber für das Rezensionsexemplar. Fotos von mir selbst.

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