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Die Buchwoche: Ich will

Dieser Beitrag enthält eine Rezension (Rezensionsexemplar erhalten) und Affiliate Links Mehr dazu hier.

Lange war es eher ruhig auf diesem Blog. In meinem Leben ging es im Gegensatz dazu sehr laut hin und her: Ich war klettern, wandern, zelten, schwimmen oder Boot fahren. Der Sommer musste bis zu den letzten Sonnenstrahlen genutzt werden. Jedes Jahr zieht es mich jedoch zuverlässig mit den ersten Nebelschwaden wieder in mein wohligwarmes Zuhause. Und was gibt es da besseres, als einige tolle Bücher zu lesen?

Daher möchte ich diesen Herbst direkt mit zwei Buchwochen starten – da ist mit Sicherheit für jeden etwas dabei.

Bücher über erfolgreiche Menschen gibt es zahlreiche. Umso inspirierender war hingegen Ich will von Rainer Zitelmann. Er portraitiert darin nämlich nicht nur einfach unglaublich erfolgreiche Menschen sondern unglaublich erfolgreiche Menschen mit einer Behinderung.

Der Inhalt

Es gibt manche Dinge, die erscheinen für den Ottonormalverbraucher bereits unerreichbar. Den Mount Everest zu besteigen. Ein weltweit bekannter Maler zu werden. Die Relativitätstheorie erforschen. Tausende Menschen bei seinen Konzerten oder seinen Reden zu begeistern.

Wie schwierig dies sein muss, wenn man nicht einfach nur ein Ottonormalverbraucher ist, sondern gleichzeitig noch blind, gelähmt, taubblind oder mit fehlenden Gliedmassen auf die Welt kam (oder diese Einschränkungen im Laufe des Lebens eintrafen), ist kaum vorstellbar.

Rainer Zitelman portraitiert in „Ich will“ 20 ganz unterschiedliche Menschen, die genau das geschafft haben: Unglaublicher Erfolg trotz starken Einschränkungen.

Als er schliesslich die Gewissheit hatte, dass er dauerhaft blind sein werde, machte ihn dies, wie er schreibt, „umso entschlossener, mich an meinen neuen Lebensstatus anzupassen und mir ein ermutigendes neues Betätigungsfeld zu suchen.“

Aus „Ich will“

Dabei gefiel mir unglaublich gut, wie vielseitig die Auswahl der Personen war. Dies beginnt schon bei den unterschiedlichen Zeitepochen: Von Ludwig von Beethoven bis hin zu zahlreichen Kandidaten, welche aktuell noch leben, ist alles vertreten. Auch die Arten der Behinderungen sind sehr unterschiedlich und zeigen damit auch komplett verschiedene Herausforderungen auf. Zusätzlich kamen manche Menschen aus sehr schwierigen und/oder ärmlichen Verhältnissen und hatten dadurch nochmals eine weitere Problematik zu bewältigen.

So wie alle sehr erfolgreichen Menschen suchte Ray die Gründe für seine Erfolge ebenso wie die Gründe für seine Niederlagen nicht in äusseren Umständen und gab auch nicht anderen die Schuld. Die meisten Menschen neigen dazu, sich zwar selbst die grossen und kleinen Siege in ihrem Leben zuzuschreiben, aber bei Niederlagen anderen die Verantwortung in die Schuhe zu schieben.

Aus „Ich will“

Gleichzeitig waren auch nicht alle Menschen in diesen Portraits rundherum glücklich. Manche wurden zwar nach allgemeinen Massstäben sehr erfolgreich (z.B. berühmt oder reich) starben aber dennoch früh oder hatten massive Probleme mit Suchtmitteln oder ihrer Umwelt. Ich fand gerade diese grosse Vielfalt unglaublich spannend – so glich sich keines der Portraits und die Lektüre blieb packend.

Die schönen Fotos oder Zeichnungen zu Beginn der Kapitel vermittelten zudem einen guten Eindruck und sorgten für eine kurze Auflockerung.

Im Interview mit mir erinnerte er sich: “ Wissen Sie, einige sagten so was wie, ich gehörte nicht auf den Berg oder: Mit 13 Blindenhunden könnte es jeder auf den Gipfel schaffen. Ich habe einen gehört, der sagte sogar, er würde mir auf die Bergspitze folgen und meine Leiche fotografieren – einfach nur, um Geld bei den Medien zu machen. Also ja, es gibt Arschlöcher da draussen. Ich nenne sie Neinsager. Und klar, es gibt Neinsager und sie tun mir leid. Denn es sind Leute, die im Kopf immer vor einer geschlossenen Tür stehen. Und das ist vor allem für diese Leute selbst tragisch.“

Aus „Ich will“

Während der Autor einerseits ganz klassisch den Werdegang der Persönlichkeiten portraitiert, beschränkt er sich nicht nur darauf. Er betrachtet auch die Gründe und die innere Einstellungen für den unglaublichen Erfolg und sorgt damit dafür, dass man als Leser auch einiges dazulernen kann. Ich fand diese Kombination richtig toll und war nach jedem Kapitel wieder ein klein wenig inspirierter.

Seine Frustrationstoleranz erwies sich als grosser Trumpf: Diese Eigenschaft ist eine der wichtigsten im Leben: Nicht aufgeben, auch wenn es schwierig wird. Wenn man ein Nein, zehn Neins oder sogar 100 Neins hört, trotzdem weiterzumachen.

Aus „Ich will“

„Ich will“ hat mir unglaublich gut gefallen – die packenden Persönlichkeiten, der unkomplizierte Schreibstil, die universellen Lebensweisheiten. Wenn Du also ein bisschen Motivation benötigst, kann ich Dir das Buch wärmstens empfehlen.

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Vielen Dank an den Finanzbuch Verlag für das Rezensionsexemplar. Fotos von mir selbst.

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