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Erfolgreich Bloggen: Die Lüge mit der Nische

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Es handelt sich um einen Beitrag ohne Kennzeichnungspflicht. Mehr dazu hier.

Da stehst Du also nun mit Deinem brandneuen Blog. Du hast Dich durch die Technik gekämpft, das Dashboard vorbereitet und schon einige Beiträge vorbereitet. Die Fotos glänzen, die Ideen sprudeln.

Wenn Du es ganz gut machen möchtest, hast Du Dich schon durch einige Artikel zum Thema “Erfolgreich Bloggen” gelesen – vielleicht warst Du sogar an einer Konferenz, hast einen Podcast abonniert oder ein Buch gekauft. Wenn Du ganz engagiert bist, war vielleicht sogar ein Online-Kurs dabei.

Egal wo Du suchst, früher oder später wirst Du darüber stolpern (und hineinfallen):

Die berühmte Nische!

Was ist eine “Nische” und was sind die Vorteile davon?

Das Konzept klingt an sich ganz schlüssig. Wenn Du mit Deinem Blog erfolgreich sein möchtest, brauchst Du eine Nische. Das bedeutet, dass Du Dir ein klitzekleines Fleckchen aussuchst, auf dem Du fast keine Konkurrenz hast und Dich schnell zum Experten aufschwingen kannst. Das hilft Dir natürlich dabei, in den Suchresultaten schnell nach oben zu kommen und gut gefunden zu werden.

So gibt es zum Beispiel in Amerika einen Anbieter, welcher Windeln für Hühner entwickelt. Zahlreiche Personen halten dort Hühner in der Wohnung und benötigen daher diese Windeln, damit der kostbare Perserteppich nicht eine neue Musterung erhält. Wir wollen uns an dieser Stelle nicht über die artgerechte Haltung von Hühnern und die ethischen Aspekte von “Kleidern für Tiere” unterhalten. Fakt ist, dass es kaum andere Anbieter in diesem Nischenmarkt gibt und der Verkäufer daher ziemlich schnell gefunden wird.

Vielleicht suchst Du Dir eine andere Nische und bietest You Tube Videos zu einer neuen Methode an, bei der man nur mit Bananen abnimmt. Also indem man ausschliesslich Bananen isst. Nichts anderes. In diesem Fall gibt es sonst niemanden, der diese Ernährungsform schon getestet hat und Du wirst ganz schnell zum Experte. Da sich keiner mit dieser speziellen Diät auskennt, kannst Du mit einem minimalen Wissen die anderen Menschen maximal beeindrucken. Klingt gut.

Die Kombination von “schnell gefunden” werden und “Expertenstatus erhalten” sorgt dafür, dass Du Deine Blogziele zuverlässig und ziemlich rasch erreichst: Du verdienst viel Geld, wirst bekannt und kannst zahlreichen Menschen in Deiner Nische helfen.

Das klingt richtig gut? Das dachten sich zahlreiche Experten ebenfalls und klatschen dieses Konzept mittlerweile nicht nur den Bloggern an den Kopf sondern jedem anderen: Du willst Dich selbstständig machen? Da brauchst Du eine Nische! Du willst Fitnesskurse geben? Ja, was ist denn Deine Nische?

Warum funktionieren Nischen nur ganz selten?

Es gibt fünf Punkte, weshalb diese “Such Dir eine Nische”-Ratschläge selten funktionieren. Ich glaube, wenn ich noch länger suchen würde, könnte ich sogar noch viele weitere Argumente aufzählen – aber lass uns einmal mit den Hauptgründen beginnen:

Warum Du mit Nischen kein Geld verdienen wirst:

Du wirst in Deiner Nische umso besser gefunden, je weniger Konkurrenz Du hast. Allerdings gibt es meistens einen Grund dafür, warum Du kaum Konkurrenz hast: Es besteht keine allzu grosse Nachfrage nach dem Produkt.

Nehmen wir nochmals den Hühnerwindelproduzenten. Wenn dieser nur das Ziel hat, ein paar Dollar zusätzlich zu verdienen, wird das ganz gut klappen. Schliesslich gibt es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auch unbegrenzt viele Menschen mit interessanten Ideen. Möchtest Du aber davon leben, wird es schon schwieriger.

Du wirst also nur dann genügend Geld verdienen, wenn Du eine Nische gefunden hast, die eine zusätzliche Nachfrage generiert, die vorher noch nicht vorhanden war. So wird sich kaum jemand für die Bananendiät interessieren. Als das Smartphone jedoch neu auf den Markt kam, konnten die Leute plötzlich nicht mehr ohne dieses Gerät leben (obwohl sie es vorher noch nicht kannten).

Frage Dich also: Hast Du ein Thema/ein Produkt, das eine grosse Nachfrage generieren wird, die noch nicht existiert? 

Warum sich Nischen für Blogs nur bedingt eignen:

Ein Blog lebt von interessanten und lesenswerten Artikeln. Je enger Du Deine Nische fasst, umso schwieriger wird es jedoch, zahlreiche informative Beiträge zu diesem Thema verfassen. Ich beobachte die Blogosphäre seit mehr als 10 Jahren und habe laufend zwischen 500 und 1000 Blogs abonniert. Dabei habe ich festgestellt, dass diejenigen Blogs sehr schnell wieder verschwinden, welche eine zu enge Nische haben – einfach weil das Thema nicht genügend hergibt, um Jahr für Jahr 50 bis 100 Artikel zu schreiben.

Dazu gibt es natürlich Ausnahmen, bei welchen eine enge Nische nicht zu einem plötzlichen Artikelstop führt:

  • Produktetester:
    Reine Produktetester können zum Beispiel endlos lange nur Barfussschuhe testen. Ob dies dann jemand Woche für Woche lesen mag, ist die andere Frage.
  • Erlebnisberichte:
    Wenn jemand nur von seinen Erlebnissen erzählt, kann er auch Ewigkeiten darüber schreiben – so lange das eigene Leben genügend Spannung bietet.
  • Echte Experten:
    Zum Thema “Expertenstatus” kommen wir nachher noch im Detail. Hier möchte ich anmerken, dass es tatsächlich Blogger gibt, welche sich auf ein ganz bestimmtes Detail (z.B. Bret Contreras auf die Gesässmuskeln oder Tony Gentilcore auf die Schultern) fokussiert haben. In diesen Fällen ist das Thema jedoch einerseits komplex genug, um sehr viel Stoff zu bieten. Und andererseits können sie sowohl von jahrelangen Erfahrungen (Nein, wenn Du 23 bist, kannst Du leider nicht auf jahrelange Erfahrungen zurückblicken) als auch täglicher Praxis profitieren.
  • Gelegenheitsblogger:
    Du blogst nur alle paar Monate einmal? Dann kannst Du Dir natürlich eine ganz enge Nische aussuchen – ob Du damit aber Erfolg haben wirst, ist aus anderen Gründen fraglich.

Warum Du mit Nischen nicht erfolgreich wirst:

Diejenigen Firmen, welche richtig erfolgreich sind, haben sich fast immer nicht auf eine Nische fokussiert: So stellt Apple nicht nur iPhones her sondern auch Tablets, Kopfhörer oder Sportuhren. Amazon konzentriert sich nicht nur auf Bücher, sondern liefert mittlerweile alles mögliche – Lebensmittel, Lieferdienste, Abonnements, Videos etc. Und bei Google traue ich mich gar nicht, all die Geschäftsfelder aufzuzählen.

Auch bei erfolgreichen Bloggern ist festzustellen, dass sie sich meistens eher von ihren Nischen wegbewegen. So wurde Cassey Ho von Blogilates zwar durch ihr Pop-Pilates bekannt. Aber sie schreibt auch über ihre Hochzeit, über Stress oder ein gesundes Körperbild und bietet zahlreiche andere Artikel an, wie z.B. das oben abgebildete Buch.

Auch wenn Du besonders bekannt werden möchtest, sind Nischen nicht geeignet – je kleiner diese nämlich ist, umso weniger Menschen interessieren sich dafür. Und wenn sie wieder etwas grösser ist, taucht schon wieder die Konkurrenz auf – tja, Pattsituation…

Möglicherweise hat diese Strategie ganz zu Beginn des Internets (oder der Blogosphäre) noch funktioniert, als es kaum Blogs gab und man als “erster” einen komplexen Bereich abdecken konnte. Heutzutage gibt es jedoch Millionen Blogs zu jedem möglichen Thema. Besteht daher ein Interesse an einem Bereich, wirst Du nicht mehr der erste sein.

Warum der Expertenstatus Banane ist und Abkürzungen es einfach nicht bringen

Vielleicht fragst Du Dich mittlerweile bereits, warum denn so viele Leute auf Nischen schwören, wenn diese doch nicht wirklich etwas bringen? Die Antwort darauf ist simpel: Jeder sucht nach Abkürzungen.

Es klingt so schön: Ich drehe ein paar You Tube Videos, werde Influencer, verdiene viel Geld und geniesse mein Leben. Dass dahinter sowohl harte Arbeit und eine grosse Portion Glück steckt, möchten die meisten Menschen nicht sehen.

Experte wirst Du nicht, indem Du ein paar Jahre über ein Thema schreibst. Oder 10 Filme drehst und ein bisschen über Dein Müsli erzählst. Experte wird man erst nach jahrelanger Erfahrung und konsequenter Weiterentwicklung auf einem Gebiet.

Die Leser werden ziemlich schnell merken, wenn Du zwar so tust, als wärst Du Experte in Deiner Nische, aber es eigentlich gar nicht bist. Wenn Du Dich also auf keinem Gebiet “expertenmässig” auskennst, ist es viel besser, das zuzugeben. Schliesslich lieben die Menschen Erfahrungsberichte und gerade Reality TV kommt ja ziemlich gut an.

Warum Nischen Dir den Spass am Bloggen klauen

Natürlich will jeder, dass sein Blog gelesen wird. Sonst ist das Schreiben ja irgendwie ein bisschen eine einsame Angelegenheit. Aber gleichzeitig gibt es bei vielen Bloggern eine ziemlich lange Zeit, in welcher der Blog kaum gelesen wird. Auch ich hatte zu Beginn nur knapp 50 Leser am Tag – zu Spitzenzeiten dann über 1300. Gerade in so Durststrecken motiviert es Dich, wenn Du genau über die Themen bloggen kannst, die Dich bewegen.

Nun kann es durchaus sein, dass Du für ein ganz bestimmtes Thema brennst und Dich Tag und Nacht nur damit beschäftigst. Nur zu – Du bist der perfekte Kandidat für eine Nische!

Bei den meisten Menschen vermischen sich jedoch unterschiedliche Interessen. Manchmal sind diese ganz verschieden (z.B. Eishockey und Kriminalromane) – manchmal einfach breit gefächert (z.B. “Fitness” oder “gesunde Ernährung”). Das ist völlig ok. Du kannst auch mit zahlreichen unterschiedlichen Themenbereichen sehr erfolgreich werden – dafür braucht es einfach Zeit, Geduld, Beharrlichkeit und vor allem spannende Inhalte.

Wie stehst Du zu dieser Thematik? Bist Du ein Verfechter von Nischen oder eher ein Gegner?

 


Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com / Fotos von mir selbst. 

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One comment

  1. […] Erfolgreich Bloggen: Die Lüge mit der Nische – Hmm, meine Nische? Mein Gedanken. Ja, doch, die könnten noch für ein paar Jahre reichen. […]

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