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Übungen, auf welche Du verzichten kannst

Blogs, Webseiten, Bücher, Magazine, TV-Spots – überall werden neue und innovative Übungen vorgestellt.

Kaufe Dir dieses Gerät und Du wirst all Deine Ziele erreichen.

Mache x Wiederholungen der Übung y und Du wirst bis an Dein Lebensende glücklich.

Wenn die Übungen so plakativ angepriesen werden, weisst Du wahrscheinlich selbst, dass da ein Haken vorhanden ist (meistens gibst Du viel Geld aus und erreichst das gewünschte Ziel nicht). Aber auch weniger marktschreierische Artikel müssen nicht unbedingt stimmen. Heute möchte ich ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und Dir einige Übungen vorstellen, auf welche Du getrost verzichten kannst:

Gefährliche oder schädliche Übungen

Warum es keinen Sinn macht, diese auszuführen, erklärt sich ja wohl von selbst – schliesslich willst Du durch das Training, fitter oder schlanker oder gesünder werden und nicht krank.

Dazu gehören unter anderem:

Übungen mit schweren Gewichten auf instabilen Untergründen (z.B. Kniebeugen mit Gewicht auf einem Ball, Sypoba o.ä.). Stabilisationsübungen haben definitiv ihre Berechtigung. Allerdings werden immer öfter Filme oder Bilder von Übungen mit schweren Gewichten auf instabilen Untergründen veröffentlicht, welche schlicht und einfach gefährlich sind und keinen nennenswerten Zusatznutzen haben. Die Übung wird durch das schwerere Gewicht unverhältnissmässig viel gefährlicher, der Zusatznutzen ist jedoch äusserst gering. Lass die Finger davon.

Übungen an gefährlichen Orten. Natürlich sieht es erst einmal toll aus, wenn jemand den Handstand auf einer Klippe am Meer macht – aber frag Dich einfach: ist es das wirklich wert? Willst Du für ein gutes Foto oder ein spezielles „Feeling“ wirklich das Risiko eingehen, Dich zu verletzen? Oder gar zu sterben? Ich übertreibe hierbei nicht – vor wenigen Wochen ist ein Kraftsportler gestorben, da er beim Training auf einem Gleis von einem Zug erfasst wurde. Seine Freundin ging davon aus, dass er ein besonders spektakuläres Foto haben wollte.

Übungen mit hohem Verletzungspotential. Manche Übungen sehen auf den ersten Blick toll aus und sind mit Sicherheit auch für fortgeschrittene Athleten nützlich. Sie bergen jedoch auch ein hohes Verletzungspotential, wenn sie nicht ganz korrekt ausgeübt werden. Frag Dich daher bei einer Übung immer zuerst, ob Du sie wirklich so ausüben kannst, wie Du solltest. Wenn sie noch ein Level zu hoch ist, dann wartest Du lieber noch etwas ab.

Ein typisches Beispiel hierfür sind gesprungene Ausfallschritte, bei denen das vordere Bein mit jedem Sprung gewechselt wird. Bei dieser Übung die Stabilisation im Knie zu halten, die 90° Winkel zu beachten, tief genug zu springen, ohne aber das hintere Knie auf den Boden zu schmettern, erfordert einiges an Erfahrung und Kraft. Ich empfehle diese Übungen daher niemandem, der erst mit dem Training beginnt.

Nutzlose Übungen

Wenn Du diese Übungen ausführst, schadest Du Dir zwar nicht. Aber Du wirst keine oder nur sehr schwache Erfolge sehen und hast Deine Zeit verschwendet. Was schlussendlich auch keinen Sinn macht.

Wenn Du Kraft oder Muskeln aufbauen möchtest, kannst Du alle Übungen streichen, bei denen Du mehr als 30 Wiederholungen schaffst. Wenn mir jemand zum Beispiel stolz erzählt, dass er 100 Situps macht, frage ich mich immer – wozu? Diese Übungen machen nur dann Sinn, wenn Du in genau diesen Muskeln die Kraftausdauer trainieren möchtest.

Wenn Dir eine Übung sehr leicht vorkommt und Du auch am Tag danach keinen Muskelkater verspürst, war sie wahrscheinlich nicht für Dein Training angemessen.

Nützliche Übungen – aber nicht für Dich

Manche Übungen können sehr nützlich sein – aber nicht für Dich. Du musst Dir immer bewusst sein, was Du Dir genau vom Training versprichst. Yoga ist zum Beispiel hervorragend, um kräftiger, beweglicher und ruhiger zu werden. Wenn Du etwas suchst, bei dem Du sehr viele Kalorien verbrennst, ist es hingegen völlig falsch. Willst Du Deine Rumpfstabilität trainieren, sind Planks hervorragend. Situps eher nicht. Scheue Dich nicht, auch im Training genauer nachzufragen. Wozu machst Du jetzt diese Übung? Was soll sie Dir bringen? Und möchtest Du das überhaupt erreichen?

Wenn Du all diese Übungen eliminierst, bist Du auf einem hervorragenden Weg.

Hast Du schon einmal eine Übung ausgeführt, welche sich als gefährlich herausgestellt hat?

Deine nächste Mission zum besten DU:
Analysiere Dein nächstes Training einmal auf diese 3 Bereiche: Sind die Übungen wirklich für Dein Ziel förderlich? Nützen sie überhaupt etwas? Und wie gross ist das Risiko?


Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com

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9 comments

  1. Wie wahr, wie wahr…

    Ich könnt jetzt nichts über gefährliche Übungen oder so sagen, aber es gibt paar Übungen, die sind sehr unangenehm für mich, z.B. das Kreisen oder weite Bewegen der Oberschenkel fühlt sich ungut für meine Hüfte an. Also lass ich es…
    Blöd nur, wenn übereifrige Fitness-Trainier einen immer wieder zu was animieren wollen, obwohl mein sich eigentlich sehr klar ausgedrückt hat… Sowas tut mir nicht gut, ab und zu darf man ja auch mal auf seinen eigenen Körper hören…

    1. Liebe Anna
      Ich finde es schade, dass gerade Fitness-Trainer es nicht unterstützen, wenn man auf sich hört. Eigentlich wäre es ja ihre Aufgabe, herauszufinden, weshalb sich eine Bewegung für Dich ungut anfühlt und ob man etwas tun könnte, um das Problem zu beheben.
      Liebe Grüsse
      Ariana

  2. […] Übungen, auf welche du verzichten kannst […]

  3. Hallo Ariana, ein klein wenig sprichst du mir aus der Seele. Vor allem, wenn es um das Thema Reizintensitäten geht, verstehe ich oft nicht, warum die Trainierenden, die als Ziel Muskelaufbau haben, sich scheuen das Gewicht zu steigern! Wie sollte ich ansonsten mein Ziel erreichen? Ich glaube ebenfalls wie du, dass eine Wiederholungszahl von >100 sinnvoll ist für den Muskelaufbau oder gar den Kraftaufbau …
    Ebenfalls sind exotische Übungen auch nicht notwendig. Einfach mal zurück zu den Grundlagen. Harte, kontinuierliche Arbeit, ein klares Ziel, und eine auf lange Sicht umgestellte Ernährung.
    Danke für deinen Artikel
    Gruß Alex

    1. Lieber Alexander
      Es freut mich total, dass wir hier gleicher Meinung sind! Wenn ich manche exotische Übungen sehe, frage ich mich oft, was sie bringen – Abwechslung ist schön und gut, aber nützlich sollten sie trotzdem sein.
      Liebe Grüsse
      Ariana

  4. Habe gerade Deine Website entdeckt. Vielen Dank für die vielen Übungsvorschläge und Tipps! Mit Deinem kritischen Kommentar zu hohen Wiederholungszahlen hast Du mich eiskalt erwischt. Um meine allgemeine Fitness zu erhöhen habe ich mir einige im Internet verbreitete „Challenges“ und Trainingspläne vorgenommen: 200 Situps, 200 Kniebeugen, 150 Bank-Dips, 100 Liegestütze und 50 Klimmzüge (an den Liegestüzten und vor allem an den Klimmzügen arbeite ich noch). Ich weiß, dass diese hohen Wiederholungszahlen für den Muskelaufbau nicht sinnvoll sind. Sie haben aber meine allgemeine Fitness sehr voran gebracht und es war für mich wichtig, einige in wenigen Wochen erreichbare Ziele vor Augen zu haben. Nach vier Monaten Training spüre ich, dass ich schon viel mehr Körperspannung aufgebaut habe und ich nun die Voraussetzungen für schwierigere Übungen gelegt habe, z.B. versuche ich mich gerade an Pistols – was vor dem 200-Kniebeugen-Programm für mich undenkbar war.

    1. Hallo Teddy
      Vielen Dank für Deine Anmerkung. Es kommt natürlich darauf an, was genau Dein Zeil ist – wenn Du Deine allgemeine Fitness steigern möchtest, machen hohe Wiederholungszahlen unter Umständen Sinn (auch z.B. wenn man sich auf Wanderungen mit schwerem Gepäck vorbereitet, sind viele Kniebeugen nützlich).
      Liebe Grüsse
      Ariana

  5. Servus. Gerade wiederentdeckt den Artikel und deine Seite. :D

    Richtig soweit. Ehrliche, harte Arbeit, wenig fancy Stuff und die Geheimzutat: Geduld.
    Die Resultate werden kommen und die anderen sich verletzen. Klingt hart, ist aber so.

    Das mit den Gewichten kommt leider aus den Zeiten des Bodybuildings. Noch immer verbinden die Menschen Hanteln oder Hantelstangen nur mit einem: Bodybuilding. Und gerade Frauen und auch ältere Trainierende haben entweder Angst zu einem Muskelberg zu werden oder interessieren sich nicht für Muskelaufbau. Diese Angst muss man als Trainer erst mal wieder rausbekommen. Da kämpft man gegen Jahrzehnte der sozial-/medialen Gehirnwäsche an… Schwierig.
    Leider verstehen die Menschen auch die Grundprinzipien der Trainingslehre nicht. Die einfachsten Dinge wie ihr Körper funktioniert werden ihnen nicht beigebracht. Zum Kopfschütteln…
    Dafür umso besser, dass es Seiten wie deine gibt! :D

    Gruß,
    Ben

    1. Hallo Ben
      Da kann ich dir zustimmen – auch wenn es oftmals nicht die Schuld der einzelnen Menschen ist, wenn sie die Grundprinzipien nicht verstehen. Leider gibt es dazu so viele wiedersprüchliche Informationen und sogar in angesehenen Magazinen wird immer wieder mal etwas durcheinandergebracht. Erschwerend ist zusätzlich, dass die Forschung so schnell ist, dass sich bekannte Fakten immer wieder als falsch herausstellen – wenn man sich da nicht rund um die Uhr mit diesem Thema beschäftigt, ist es schwierig, herauszufinden, was wirklich stimmt.
      Liebe Grüsse
      Ariana

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