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Verbindlichkeiten – ein unsexy Wort mit sexy Ergebnissen

Verbindlichkeiten – das klingt nicht gerade nach Spass. Ich möchte Dich jetzt auch nicht anlügen – oft ist nicht nur das Wort selbst unsexy, sondern auch das, was dahinter steckt.

Kein Wunder, dass überall nach einer Abkürzung gesucht wird. Einer Möglichkeit, Verbindlichkeiten zu umgehen und trotzdem das erwünschte Ergebnis zu erreichen. Besonders im Fitness- und Ernährungsbereich wurde festgestellt, dass sich mit diesem Wunsch sogar viel Geld machen lässt:

  • Statt des regelmässigen Trainings, werden Geräte angepriesen, welche die Muskeln von alleine stimulieren.
  • Statt einer gesunden und regelmässigen Ernährung, werden Pillen verkauft. Oder Operationen.
  • Mühen werden gescheut und der schnelle Spass wird optimiert.

Ich selbst bin auch davon überzeugt, dass wir eine Änderung nur herbeiführen können, wenn sie uns langfristig Freude bereitet. Dich zu etwas zu zwingen, das Du verabscheust, wird kaum Erfolge bringen.

Der Unterschied dabei ist, dass diese Tätigkeiten ein langfristiges Ziel haben. Sie sollen Dir über Monate oder Jahre hinweg Freude bereiten und später auch Erfolge vorweisen können. Es kann allerdings durchaus sein, dass sie im ersten Moment keinen “Spass” machen und furchtbar anstrengend sind.

Hier kommen die Verbindlichkeiten ins Spiel – durch diese transferierst Du die unsexy Tätigkeiten in sexy Ergebnisse (und manchmal auch in sexy Tätigkeiten). Aber zuerst möchte ich Dir diesen kleinen aber wichtigen Unterschied zwischen schnellem Spass, unangenehmen Tätigkeiten mit langfristigem Erfolg und unangenehmen Tätigkeiten, die Du einfach nur vermeiden solltest, mit ein paar Beispielen genauer erläutern:

Schneller Spass:

  • Du schaust am Abend fern.
  • Du isst eine Tafel Schokolade.
  • Du greifst ein zweites Mal zu der Kekstüte, obwohl Du längst keinen Hunger mehr verspürst.
  • Du schaltest den Wecker aus und snoozt noch ein paar Mal.
  • Du trainierst nur 10 Minuten auf einem Crosstrainer, da dies laut der Zeitschrift xyz bereits reicht.
  • Du nimmst den Lift.
  • Du isst ein paar Appetitzügler, um schlank zu bleiben.

Diese Tätigkeiten bringen Dir im ersten Moment einen Lustgewinn. Du fühlst Dich glücklicher. Langfristig gesehen schaden sie Dir jedoch sogar. Ausserdem wirst Du Dich vermutlich in ein paar Jahren nicht mehr daran erinnern. Der Lustgewinn ist kurzfristig.

Unangenehme Tätigkeiten mit langfristigem Erfolg:

  • Du stehst sofort beim ersten Weckerklingeln auf. Bis Dein Körper sich an die neue Uhrzeit gewöhnt hat, ist dies extrem anstrengend. Danach gewinnst Du durch Dein morgendliches Training Energie.
  • Du hegst und pflegst Deinen eigenen Garten. Zuerst ist dies anstrengend und Du siehst eher wenige Erfolge. Langfristig gesehen macht Dich der Garten jedoch glücklich und Du kannst sogar etwas ernten.
  • Du beginnst zu joggen. Am Anfang schmerzt Dich vielleicht jeder Schritt. Später fliegst Du auf dem Runners High dahin.
  • Du isst keinen Zucker mehr. Zu Beginn schmerzt Dein Kopf und Du fühlst Dich grippig. Später hast Du kein Verlangen nach Süssigkeiten mehr und fühlst Dich, als könntest Du Bäume ausreissen.
  • Du entschuldigst Dich nach einem Streit als erster. Zuerst ist dies unangenehm. Langfristig stärkt dies eure Freundschaft.
  • Du kochst Dein Mittagessen bereits am Vorabend. Zu Beginn benötigst Du viel Zeit und Planungsaufwand. Irgendwann geht es von alleine und Du sparst zusätzlich noch Geld.

Hier besteht die Schwierigkeit darin, die unangenehme Phase zu überwinden und so lange daran zu bleiben, bis sich Erfolge zeigen. Aber nicht jede unangenehme Phase führt automatisch zu einem Erfolg:

Unangenehme Tätigkeiten, die Du vermeiden solltest:

  • Deine Knie schmerzen Dich jedes Mal beim Joggen. Das wird nicht zwingend von alleine besser und Du solltest daher nicht einfach weiter machen.
  • Du hasst Avocado und kannst sie auch nach mehreren Versuchen nicht essen. Dich dazu zu zwingen, bringt keinen langfristigen Erfolg.
  • Du trainierst weiter, obwohl Du bereits total erschöpft bist. Das macht keinen Sinn.
  • Du verabscheust Tanzen, gehst aber trotzdem mit Deiner Freundin zum Zumba. In jeder Stunde fühlst Du Dich fehl am Platz. Langfristig gesehen verdirbt Dir dies die Freude am Sport.
  • Du hasst Fleisch und versuchst Dich dennoch Paleo zu ernähren.

Bei diesen Tätigkeiten wird sich langfristig kein Erfolg einstellen. Es sind Tätigkeiten, welche nicht zwingend erforderlich sind und bei welchen Dein Widerwillen (oder körperliche Beschwerden) so gross sind, dass sie Dir langfristig komplett die Freude rauben. Es liegt an Dir, diese feinen Unterschiede wahrzunehmen.

Wo kommt nun die Verbindlichkeit ins Spiel?

Wenn Du etwas ändern möchtest, gibt es üblicherweise drei Schritte. Du musst Dir zuerst darüber bewusst werden, dass Du etwas ändern möchtest. Dann musst Du wissen, wie Du das am Besten tun könntest. Und schlussendlich musst Du es wollen.

Wenn Du Dich zum Beispiel gesünder ernähren möchtest, könntest Du Dich dafür entscheiden, erst einmal den Zucker zu reduzieren. Du beschliesst, dass Du auf Schokolade verzichten möchtest. Und Du möchtest das natürlich auch. Warum passiert es nun trotzdem, dass Du nach 3 Tagen eine kleine Ausnahme machst? Und nach 5 Tagen sogar zwei Ausnahmen? Nach 10 Tagen ist vom Vorsatz gar nichts mehr übrig.

Es gibt viele mögliche Gründe für dieses Scheitern – und einer der wichtigsten ist die fehlende Verbindlichkeit. Wir sind es uns heute oft so gewohnt, dass wir unsere Pflichten nicht erledigen müssen (wer verwendet das Wort “Pflichten” überhaupt noch?), dass wir diese oft einfach vergessen. Wir kommen zu spät zu Terminen, rufen nicht an, obwohl wir es versprochen haben, essen doch noch Schokolade (wenn uns keiner sieht) und verschieben die Sporteinheit, wenn wir zu müde sind.

Jedes Mal, wenn Du Dir etwas vornimmst und es schlussendlich trotzdem nicht tust, sagst Du Dir selbst, dass es ok ist, Verpflichtungen nicht einzuhalten. Du gewöhnst Dich daran. Und wenn Du Dir das nächste Mal überlegst, ob Du die Schokolade essen sollst oder nicht, fällt es Dir immer leichter, gegen Deine Vorhaben zu verstossen.

Umgekehrt läuft es natürlich genau gleich. Wenn Du es Dir gewohnt bist, Deine Vorsätze auch einzuhalten, fällt es Dir leicht, auch um 05:00 Uhr in der früh Dein Workout durchzuziehen.

Wie kannst Du mehr Verbindlichkeit in Deinen Alltag bringen?

Leider gibt es auch hier keine Abkürzung. Du musst mit kleinen Schritten beginnen und diese nach und nach vergrössern. Aber gleichzeitig erreichst Du dadurch nicht nur ein einziges Ziel, sondern machst in allen Lebensbereichen grosse Fortschritte.

Nimm Dir daher ab sofort erst einmal 1 bis 2 Dinge pro Tag vor. Es ist wichtig, dass diese klein genug sind, damit Du sie problemlos durchführen kannst. Ausserdem müssen sie nicht zwingend etwas mit Sport oder Fitness zu tun haben – es geht nur darum, Dich an die Verbindlichkeiten zu gewöhnen. Und diese Vorhaben wirst Du auch durchziehen – komme was wolle. Wenn Du sie verschieben möchtest, dann denke einfach an diesen Artikel. Ich weiss, dass Du das kannst!

In der nächsten Woche nimmst Du Dir 1 – 2 etwas grössere Dinge vor. Und in der Woche darauf vielleicht 3 – 4 Sachen pro Tag. Es ist wichtig, dieses Spiel ein paar Monate lang durchzuführen, um wirklich Erfolge zu sehen. Diese werden dafür auch langfristig bleiben.

Welche Aufgaben könntest Du auswählen?

  • Wasche das Geschirr ab sofort direkt nach der Mahlzeit ab.
  • Stehe 15 Minuten früher auf und lerne für die Prüfung.
  • Nimm die Treppen – ohne Ausnahmen.
  • Räume jeweils 5 Minuten vor dem Schlafengehen etwas auf.
  • Führe Dein Budget täglich.
  • Erledige einen schwierigen Anruf.
  • Gehe mit einer Freundin joggen.
  • Ab sofort bist Du bei Meetings und Treffen pünktlich.

Ich bin mir sicher, dass Dir hierzu noch einiges einfallen wird.

 

Zum Weiterlesen: Keine Macht dem Schweinehund: Part 1 und Part 2

Magst Du Verbindlichkeiten? Oder schreckt Dich dieses Wort eher ab?

 


Deine nächste Mission zum besten DU:
Deine Aufgaben stehen klar und deutlich in den letzten zwei Absätzen – ab sofort trainierst Du Deinen Verbindlichkeitsmuskel – und damit bald auch alle anderen Muskeln :-)


 

Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com

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4 comments

  1. Hallo Ariana

    Während ich dem Inhalt deines Artikel zustimme und die Tipps praktikabel und wertvoll finde, stimmt für mich der Begriff “Verbindlichkeit” in diesem Zusammenhang nicht. Verbindlichkeit besteht zwischen zwei Personen, es sind Zusagen, die gehalten werden. Im Plural sind Verbindlichkeiten was aus der Betriebswirtschaft.

    Wovon du sprichst, ist in meinen Augen schlicht und einfach Disziplin, oder noch genauer Selbstdisziplin.

    LG, Lukas

    1. Lieber Lukas
      Du hast natürlich recht – auf eine Art ist es auch Selbstdisziplin. Mir ging es dabei darum, dass man sich selbst gegenüber verbindlich sein sollte – das ist sicherlich nicht ganz die korrekte Definition. Manchmal hilft es jedoch, wenn man sich als “zwei Personen” sieht und sich selbst etwas verspricht.
      Liebe Grüsse
      Ariana

  2. Ich versuche verbindlich zu sein, in dem ich etwas öffentlich mache. Also so wie hier jetzt: ab Dezember laufe ich wieder mindestens ein Mal, besser zwei Mal, genau nach Trainingsplan zum Schwimmbad und gehe trainieren. Das hat letzten Winter so viel Spaß gemacht und der November gab es leider nicht her. Außerdem hatte ich einen Monat Auszeit vom harten Training, um die letzte Saison zu verarbeiten. Ab Dezember wird es Zeit die Füße wieder langsam in die Hand zu nehmen.

    Ansonsten wie immer eine schöne Zusammenfassung. Ich bin aber auch der Meinung, dass man Verbindlichkeit durchaus mit sich selbst ausmachen kann.

    1. Liebe Din
      Ich finde es immer spannend, bei Dir zu lesen, wie Du Dein Training gestaltest. Zum Schwimmbad zu laufen und dort direkt noch zu schwimmen ist eine tolle Möglichkeit im Winter.
      Liebe Grüsse
      Ariana

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