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Warum Vergleiche im Yoga (und auch sonst) keine gute Idee sind

Stell Dir vor… Du scrollst durch Deinen Instagram Feed. Hier ein Foto von jemandem der einen Chiapudding löffelt. Dort zwei neue Schuhe. Schick drapierte Springseile. Und wenn Du Yoga genauso gerne magst wie ich, wirst Du wahrscheinlich auch auf unzählige Yoga Bilder stossen. Handstand am Strand. Kranich in der Wüste. Verrenkungen in bunten Hosen, mit perfekten Körpern. Draussen, im Studio, vor dem Sofa. Meistens noch mit klugen Sprüchen versehen. Was fühlst Du in dieser Situation? Anerkennung? Neid? Gleichgültigkeit?

Ich möchte ganz ehrlich mit Dir sein – wenn ich diese Fotos auf Instagram (oder auch in anderen Blogs oder Magazinen) ansehe, geniesse ich diese erst einmal. Aber plötzlich passiert es – ich vergleiche diese mit mir selbst. Ich frage mich, ob ich diese Position wohl auch so perfekt einnehmen könnte und ob ich auch annähernd so grazil aussehe, wenn ich mich in die unmöglichsten Positionen verrenke. Und gedanklich sortiere ich die Übungen in der nächsten Yogastunde nach “fotogen” und “nicht fotogen”. Vielleicht nicht ganz so bewusst,aber das Unbewusste arbeitet die ganze Zeit. Weniger ausgeprägt ist diese Tendenz in einer Yogastunde (da ich dort meistens anders gefordert bin). Aber sobald die Positionen gehalten werden, ertappe ich mich immer wieder dabei, wie mein Blick zu wandern beginnt. Wenn es Dir auch so geht, kann ich Dich beruhigen: Du bist damit nicht allein. Im Gegenteil – so geht es den meisten von uns.

Und während es viele Sportarten gibt, in denen Vergleiche und ein kameradschaftlicher Wettkampf Dich zu Spitzenleistungen anspornen können, ist dies beim Yoga selten der Fall.

Aber lass uns das ganze systematisch angehen – es macht nämlich einen Unterschied, ob Du Dich mit Dir selbst oder Dich mit anderen vergleichst.

Vergleiche mit Dir selbst

Don’t compare yourself to others. Compare yourself to the person from yesterday!

Mit diesem und ähnlichen Sprüchen werden wir jeden Morgen auf Facebook, Instagram oder Pinterest motiviert. Und grundsätzlich hört sich das ja ganz schön an – was sollte daran schlecht sein, sich konstant zu verbessern?

Die Frage müsste hierbei allerdings lauten: Was bedeutet “verbessern”?

Wenn Du lediglich Deine Position versucht zu perfektionieren (das was man auf einem Foto siehst), kann es schnell passieren, dass Du völlig vergisst, auf Deinen Körper zu hören. Es ist nicht jeder Tag gleich. Manchmal kann der Körper sich weiter in eine Dehnung sinken lassen, manchmal ist die Balance besser und manchmal kannst Du auch schwierige Asanas kraftvoll meistern. Aber an anderen Tagen geht einfach gar nichts. Sei es, weil Du körperlich erschöpft bist oder seelisch einfach andere Prioritäten hast. In diesen Situationen ist es wichtig, zu spüren, was Du jetzt gerade benötigst. Einfach nur eine relaxende Stunde? Ohne instagram-taugliche Posen, ohne neue Rekorde und möglicherweise mit einer nicht ganz perfekten Position. Aber dafür hast Du Kraft getankt, auf Dich gehört und Dich wieder mit Dir selbst (und vielleicht auch mit etwas anderem) verbunden.

Wenn Du versuchst, Dich zu “verbessern”, indem Du jeweils präsent bist und im hier und jetzt genau das tust, was Du heute benötigst – dann ist das perfekt :-)

Vergleiche mit anderen

Sobald Du Dich mit anderen vergleichst, wandert Dein Fokus nach aussen. Du konzentrierst Dich auf andere Personen und kannst dadurch automatisch nicht mehr so gut auf Deinen Körper hören.

Ich selbst empfinde aber die Emotionen, welche sich bei Vergleichen mit anderen einschleichen, am tragischsten.

Stell Dir vor, Du hast das Gefühl, Du machst etwas deutlich schlechter. Natürlich fühlst Du Dich automatisch nicht mehr so gut. Vielleicht inspiriert es Dich, härter an Dir zu arbeiten (wobei es eben gerade darum NICHT geht. Nur mit Härte kommt man im Yoga nicht weit) oder aber Du bist deprimiert und die Lust auf das Training verabschiedet sich.

Aber auch wenn du das Gefühl hast, dass Du “besser” als jemand anderes bist, bringt Dich dies nicht weiter. Statt mit den anderen gemeinsam etwas zu erreichen, separierst Du Dich. Statt einer Einheit gibt es plötzlich Einzelkämpfer. Dies mag sich vielleicht kurzfristig gut anfühlen, wird Dir aber langfristig kein tiefes, inneres Glücksgefühl schenken.

Wie Du aufhören kannst, Dich konstant zu vergleichen

Wir haben nun also festgestellt, dass Vergleiche uns nichts bringen – weder im Yoga selbst noch emotional. Es gibt viele verschiedene Tricks, um sich diese Angewohnheit abzutrainieren. Und am besten geht dies, wenn Du Dich dabei nicht nur aufs Yoga konzentrierst, sondern auch auf die 23 anderen Stunden des Tages. Einerseits haben Vergleiche dort genau die selbe negative Wirkung (man fühlt sich schlechter, wird neidisch, fühlt sich getrennt von anderen oder kann sich nicht mehr auf sich konzentrieren) und andererseits bietet dies natürlich sehr viel Übungsfläche.

Folgende Methoden haben mir sehr geholfen:

  • Konzentration auf Dich selbst
    Sobald Du merkst, dass Du zu vergleichen beginnst, solltest Du den Fokus sofort wieder auf Dich selbst legen. Am Besten suchst Du Dir dabei etwas aus, das nicht direkt etwas mit dem Vergleich zu tun hat. Du beobachtest gerade, wie Deine Freundin einen perfekten stehenden Spagat ausübt? Konzentriere Dich nicht auf Deine Beine, sondern z.B. auf Deinen Atem. Du stellst fest, dass auf der Party alle extrem schick angezogen sind? Verschiebe den Fokus von Deinen Kleidern zum Gespräch oder auf das leckere Getränk.
  • Konzentration auf Blogs oder Instagram Accounts, welche nicht den Fokus auf das “Äussere” legen
    Es gibt Instagram Accounts, bei welchen es wirklich nur um das Aussehen geht. Jeden Tag wird ein Sixpack gepostet oder eine perfekte Pose. Auf anderen Accounts oder Blogs geht es nicht primär um die perfekten Bilder, sondern auch die Wirkungen dahinter. Ich mag zum Beispiel den Asanayoga Blog total – dort werden nicht einfach nur Übungen vorgestellt, sondern immer auch noch erklärt, was sie im Körper und in der Seele bewirken.
  • Auf negative Emotionen achten
    Versuche bewusst, negative Emotionen in positive zu verwandeln. Du bist neidisch, weil diese Frau an einem wunderschönen Strand trainiert? Freue Dich für sie. Du fühlst Dich schlecht, weil Deine Hüftbeuger noch nicht so dehnbar sind? Sei ihnen dankbar, dass sie jeden Tag mit Dir zusammen arbeiten. Und am schönsten ist es natürlich, wenn Du Komplimente nicht nur denkst, sondern diese auch verteilst.
  • Kleine Reminder im Alltag
    Manchmal ist es schwierig, seine Vorhaben im Alltag nicht plötzlich zu vergessen. Um dies zu verhindern, kannst Du Dir überall kleine Reminder verteilen – Postits mit Notizen oder eine kleine Figur, welche Du neben den Computer stellst. Besonders schön finde ich auch Yogaschmuck (z.B. Mantrabänder oder Chakra Armbänder – gibt es auch bei Asanayoga), welcher Dich den ganzen Tag daran erinnert, im Jetzt zu leben.
  • Pausen machen 
    Was ist, wenn einmal einfach keine dieser Strategien funktioniert? In diesem Fall benötigst Du möglicherweise einfach eine Pause – kein Instagram, keine sexy Yogaleute um Dich herum, keine Magazine – einfach nur Du. Vielleicht noch ein bisschen Natur. Oder ein langes Bad und ein Buch. Und plötzlich sieht alles wieder ganz ander aus.

 

Wie gehst Du mit Vergleichen um?

Deine nächste Mission zum besten DU:
Hast Du gerade ein Schmuckstück an oder ein Post-It griffbereit? Dies wird ab sofort Deine Erinnerungshilfe an das Vorhaben “keine Vergleiche”. Und sobald Du Dich dabei ertappst, Dich zu vergleichen, konzentrierst Du Dich einfach wieder auf Dich selbst.


Dieser Artikel erschien auf www.eigenerweg.com

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12 comments

  1. Wirklich wundervoll geschrieben und genau das was ich gerade gebraucht habe. Ich wünsche dir einen schönen Tag :)

    1. Liebe Yvonne
      Ganz herzlichen Dank für Deine lieben Worte!
      Ich wünsche Dir ebenfalls einen wunderbaren Tag (oder Abend :-) )
      Liebe Grüsse
      Ariana

  2. Wer sich mit anderen vergleicht wird immer verlieren! Und deshalb sind Vergleich doof! Denn jeder Mensch ist gut und einzigartig. Nur verstehen das die wenigsten!

    1. Du hast so recht, Markus. Und da man immer nur einen kleinen Teil vergleicht, macht es noch viel weniger Sinn.
      Liebe Grüsse
      Ariana

  3. Liebe Ariana,

    ich lese schon länger regelmäßig auf deinem Blog. Und natürlich hab ich dich deswegen auch auf Insta abonniert.
    Das mit den Vergleichen spricht mich sehr an. Und ich tappe da selbst oft in die Falle mich mit anderen zu vergleichen. Gerade auf Instagram, wo natürlich viele tolle Bilder von gutaussehenden, schnellen, fitten und erfolgreichen, meist jungen Menschen ,gepostet werden.
    Da muss ich manchmal schon aufpassen, daß ich bei mir selbst bleibe.
    Ein guter Post von dir.
    Er lässt mich nachdenken und das ist doch gut.

    Liebe Grüße
    Claudia

    1. Liebe Claudia
      Es freut mich total, dass wir nun auch hier im Kontakt sind (und es tut mir wirklich sehr leid, dass der Kommentar im Spamordner gelandet ist).
      Mir geht es auf Instagram oft auch so – es ist total schwierig, sich dort wirklich einfach an den Bildern zu erfreuen und nicht in die Vergleichs-Falle zu tappen.
      Ganz liebe Grüsse
      Ariana

  4. Hallo Ariana,

    ich fand deinen Artikel sehr ansprechend und ich denke jeder der sich in irgendeiner Weise betätigt, wo andere anwesend sind fängt, bewusst oder unbewusst an zu vergleichen. Auch ich sage meine Yogaschülern immer wieder, bleibt bei euch, denn selbst wenn ihr die selbe Asana übt sie wird bei keinem gleich aussehen, dafür genießen wir alle das Privileg der Indivudualität. Nicht umsonst hat jeder einen einzigartigen Fingerabdruck. Demnach ist Vergleichen falsche Wahrnehmung.
    Vielleicht schaust auch mal auf meinem Blog rein, freue mich immer über Kommentare und Feedback.
    Lg Marion

    1. Hallo Marion,
      Vielen lieben Dank für Deine Worte – ich finde es sehr schön, dass Du dies Deinen Yogaschülern auch so weitergibst. Dein Blog gefällt mir sehr gut – ich habe ihn einmal in meinen Reader aufgenommen und freue mich schon jetzt auf weitere Beiträge.
      Liebe Grüsse
      Ariana

  5. Schöner Artikel, vielen Dank fürs schreiben!

    1. Vielen Dank :-)

  6. Cooler Artikel, vielen Dnak dafür!!

    1. Vielen herzlichen Dank für deinen Kommentar!

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